#81: Über sexualisierte Gewalt und den Weg in ein alkoholfreies Leben - mit Elli

Shownotes

Elli von alkoholfreie Kasse ist zu Gast im Podcast. Ein sehr bewegendes Gespräch und wir freuen uns, diese ganz besondere Folge heute mit euch zu teilen.

IG alkoholfreie Kasse

alkoholfreie Kasse - jetzt unterstützen!!

Lena Wallach

sober art STUDIO

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00:00:00: Ich sage immer, Alkohol war mein Hebel zum Normal sein.

00:00:04: Alkuh hat mir ermöglicht, normale Freundschaften zu führen, teilweise auch eine normalen Alltag, ein normales Sexleben ... all diese Dinge.

00:00:14: Das war mir damals nicht klar, weil ich mir dachte, Alchohol ist so ganz normal und das machen alle Menschen so.

00:00:19: Aber heute weiß ich, dass ich das wirklich ... Ja, dass es mir das Normalsein ermögligte.

00:00:25: Normalsern im Sinne von, ich funktioniere?

00:00:27: Genau!

00:00:30: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Sober Art.

00:00:34: Mein Name ist Linda Fressung, dieser Podcast soll dich zur Mehrfreiheit in deiner Beziehung zum Alkohol inspirieren.

00:00:41: Hier geht es um Selbstwirksamkeit, Kreativität und die Rolle von Alkohl im persönlichen und gesellschaftlichen Kontext.

00:00:49: Und heute ist eine ganz besondere Folge – ich freue mich riesig!

00:00:53: Denn heute ist Ellie von der Initiative Alkuhlfreikasse bei mir im Podcast.

00:00:58: Ellie und ihr Team setzen sich, wie der Name schon sagt für alkoholfreie Kassen in Deutschland ein.

00:01:03: Und wir erfahren dann gleich von Ellie selbst was es mit

00:01:06: ihrer Initiative

00:01:07: genau auf sich hat und was ihre persönliche Motivation ist – also warum sie das Ganze überhaupt macht!

00:01:13: Dabei sprechen wir

00:01:14: über Ellys

00:01:15: beeindruckenden Weg in die Nüchternheit, über ihre Kindheit

00:01:19: und Jugend,

00:01:20: über häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und Partnerschaft.

00:01:24: eine sehr bewegende Folge und wir freuen uns, sie heute mit euch teilen zu können.

00:01:31: Hey Ellie!

00:01:33: Hiiii

00:01:34: Hi, herzlich willkommen im Podcast.

00:01:36: So schön dass du da bist!

00:01:38: Ich freue mich irrsinnig auf unser Gespräch.

00:01:41: Du hast ein extrem spannendes Thema mitgebracht oder du bringst einen extrem spannenden Thema mit.

00:01:46: deswegen spare ich mir den ganzen Smalltalk und wir springen direkt rein.

00:01:50: wie wir Intro schon gehört haben setzt du dich für alkoholfreie Kassen in Deutschland ein.

00:01:56: magst du uns alle einmal abholen und uns einmal erklären was sind alkoholfreie Kasten?

00:02:02: Alkoholfreie Kassen sind in der Zukunft hoffentlich alkoholfreihe Supermarktkassen.

00:02:08: Also es geht um darum diese kleinen hochprozentigen Alkuholika, die Spirituosen, die man dort findet an den Supermarkt Kassen oder sogenannten Quengelzone langfristig wirklich von diesem Ort zu verbannen weil das wirklich nachgewiesen ist, auch dass es ein extremer Trigger ist für Menschen die eine Suchterkrankung haben.

00:02:32: Die vielleicht mit dem Thema struggling.

00:02:35: aber und das ist auch ein wichtiger Punkt auf unserer Agenda Es geht uns auch um Kinder- und Jugendschutz, die ja auch ganz natürlich da vorbeilaufen.

00:02:43: dort sind Süßigkeiten und das Alkohol.

00:02:45: manchmal sieht der auch so ein bisschen bunt aus Und das wird irgendwie so selbstverständlich wahrgenommen.

00:02:51: und genau das sind zu unseren beiden Hauptschwerpunkte die wir gegründet haben, also Sucht, Prävention und Kinder- und Jugendschutz.

00:03:02: Super großartig ja!

00:03:04: Wir werden noch ganz viel darüber sprechen.

00:03:06: Magst du uns ein bisschen was von der Initiative erzählen?

00:03:09: Also wann habt ihr sie gegrüntet?

00:03:10: und du sprichst von wie viele Leute sind da involviert?

00:03:14: Genau, wir haben sie gegriffen vor ungefähr zwei Jahren.

00:03:19: Es ging los eigentlich mit... nur mit mir.

00:03:22: Ich bin dann selber jetzt seit über dreieinhalb Jahren nüchtern und stand halt auch einmal im Supermarkt, und habe so gedacht was warum steht da eigentlich Alkohol?

00:03:34: Gar nicht dass ich jetzt früher so unbedingt diesen Alkohol dort gekauft und konsumiert hätte.

00:03:39: Und trotzdem hat es mich in dem Moment getriggert, einfach dass ich dort stand und auch so dachte hey!

00:03:45: Ich kann hier ja gar nicht weg und ich wohne hier auch in einem Bezirk in Berlin wo sage ich mal das Klientel auch verhältnismäßig höher ist als in anderen Bezirken in Berlin und wo man deutlich auch diese Zielgruppe dort sieht an den Kassen und wie der Einkauf halt entsprechend aussieht.

00:04:03: und dann dachte ich mir da muss man doch irgendwie was machen Und hab dann angefangen unter dem Hashtag Alkoholfrei Kasse, diese Kassenzonen zu fotografieren und an zu posten auf Instagram.

00:04:14: Und so ein bisschen die, sag ich mal deutsche Sober-Community darunter zu verlinken.

00:04:20: Leider ist mein Reichweite jetzt nicht wahnsinnig groß... ...und es hat erstmal nicht so wahnsinnlich viel bewirkt dadurch!

00:04:26: Dann bin ich auch Jana gestoßen.

00:04:28: Das ist meine Mitgründerin sozusagen und der hat auch selber einen Soberpodcast, Cartersuchtfreiheit.

00:04:36: Die hat wiederum in einer Podcast-Folge von Soda Club mit den Mädels darüber gesprochen.

00:04:42: Und da fiel irgendwie das Wort alkoholfrei Kassen und dass man dabei was machen müsste, dann habe ich Jana angeschrieben und hab gemeint hey!

00:04:49: Ich würde mich super gern halt mehr für dieses Thema einsetzen... ...und dann war sie direkt dabei und hat gesagt ach komm lass uns eine Podcastfolge zusammen aufnehmen.. ..und dann haben wir in der Podcastfolgen bei ihr die Initiative gegründet.

00:05:04: Ja, also ich finde es ja auch.

00:05:06: Es ist eigentlich nur Frechheit weil man muss halt einkaufen gehen am Supermarkt.

00:05:10: Also man braucht Lebensmittel und das überhaupt Alkohol unter Lebensmitteln irgendwie in dem selben Raum stattfindet Echt arg, also es ist wirklich wirklich wirklich schlimm und an der Kasse müssen auch alle vorbei.

00:05:24: Du hast erzählt dass du seit dreieinhalb Jahren nüchtern lebst.

00:05:29: Wie kam's dazu?

00:05:30: Magst du auch ein bisschen über?

00:05:32: vielleicht gehen wir noch einmal schwingen nochmal ein bisschen zurück über deine persönliche Suchtgeschichte.

00:05:38: eventuell erzählen

00:05:40: Ja auf jeden Fall Genau dreieineinhalb Jahre jetzt Nüchterneid.

00:05:47: Ich hatte wirklich so eine Art Rock Bottom, wo ja viele auch klassischerweise davon erzählen.

00:05:53: Also ich habe ungefähr zwanzig Jahre lang Alkohol konsumiert und würde auch rückblickend sagen dass sich da von Anfang an auch ne Suchtendenz hatte.

00:06:04: also wenn ich getrunken hab dann auch meistens bis zum Blackout.

00:06:07: Und heute weiß ich das Erlebnis aus meiner Kindheit, also Vernachlässigung aber auch sexueller Missbrauch halt traumatisch einschneidend war.

00:06:17: So dass ich Alkohol wirklich immer als Regulationstool benutzt habe und auch um Gefühle nicht fühlen zu müssen.

00:06:26: Und genau vor dreieinhalb Jahren ist dann auch noch mal innerhalb der Familie was passiert... so aus der Bahn geworfen hat, dass ich eigentlich gesagt habe okay ist es mir jetzt egal.

00:06:39: Jetzt gebe ich mit total die Kante und waren dann irgendwie in drei Wochen nur feiern.

00:06:44: Mein Therapeut hat zu mir gesagt das es mir nicht besser gehen wird wenn ich jetzt sozusagen auch noch leide also wenn diese schlimmen Ereignisse mich hart treffen, dass ich es mir dann schlecht gehen lasse.

00:06:56: Und im ersten Moment habe ich so interpretiert, das ich dann jetzt feiern gehen kann und die Sau rauslassen kann.

00:07:02: Das ist natürlich genau das Gegenteil davon war.

00:07:06: Ich weiß heute nicht mehr genau wie es zustande kamen.

00:07:09: Das Buch von Daniel Schreiber nüchtern irgendwie zu mir in meinen Amazon waren Korb!

00:07:16: Und das habe ich gelesen.

00:07:18: und dann hat es echt nur noch eine Woche gedauert.

00:07:21: Dann hab' ich allen Alkohol aus meiner Wohnung verbannt und hab mir sozusagen eine letzte Party gegönnt zum Abschluss.

00:07:29: Und dann habe ich aufgehört, das war echt die allermeste Entscheidung.

00:07:33: Wow cool!

00:07:35: War das quasi dein erster Versuch aufzuhören mit dem Alkohol?

00:07:39: Ja also ich hatte vorher schon einmal in January gemacht.

00:07:42: Das war glaube ich im gleichen Jahr aber nicht mit der Absicht irgendwie dann länger nicht zu trinken.

00:07:50: Es war eigentlich so okay wir halten es mal durch vielleicht so ein bisschen Detox, aber die Vorstellung nie wieder zu trinken war auch wirklich bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar.

00:08:04: Also es ging gar nicht für mich wie sollte ein Leben aussehen und das war auch echt mein größter Struggle in der ersten Zeit meiner Möchternheit dass ich dachte was werden meine Freundinnen sagen?

00:08:16: Wie sieht so ein Leben überhaupt aus!

00:08:18: Ich konnte mir jetzt nicht vorstellen

00:08:20: Und wie war das?

00:08:20: Wie haben deine Freundinnen reagiert?

00:08:25: Überwiegend entspannt.

00:08:26: Ich habe es am Anfang auch nur ganz, ganz wenigen erst mal gesagt.

00:08:30: Tatsächlich gab es Umfelder in denen ich mich bewegt habe wo ich auch noch so getan habe als würde ich trinken weil ich nicht wollte dass man es merkt.

00:08:38: aber je mehr Leute das dann erfahren haben umso mehr habe ich gemerkt hey das ist was andere auch zu schätzen wissen, vielleicht auch stellenweise bei anderen sich das auch wünschen.

00:08:51: Also

00:08:52: weiß ich wie es bei dir ist oder war.

00:08:55: aber man hat ja auch irgendwie so ein trinkenden Freundeskreis wenn man über viele Jahre irgendwie trinkt und viele sagen nicht alle.

00:09:05: ich will überhaupt nicht pauschalisieren aber ich würde mal sagen dass viele da auch irgendwie einen kritischen Konsum haben und wenn dann eine Person aufhört, wird denen ja irgendwie so ein Spiegel vorgehalten.

00:09:15: Und das habe ich schon auch oft gemerkt, dass andere auch entweder gestruggelt haben oder ganz offen waren und gesagt haben hey, das ist mega cool!

00:09:24: Das hat zufolge weniger getrunken.

00:09:28: Voll gut, voll reflektiert.

00:09:31: Ich denke mir im Endeffekt mit der Freundschaft... basiert ja auch auf gemeinsamen Interessen irgendwie und nicht jede Freundschaft überlebt.

00:09:40: Über so, so viele Jahre und manchmal gehen die Wege auch auseinander wenn die Prioritäten komplett woanders liegen oder?

00:09:48: Und dann also ich habe auch viele Bekanntschaften vor allen Dingen verloren.

00:09:53: aber sieht das jetzt gar nicht als total großen Verlust weil da wieder neue Leute in das Leben kommen und man entwickelt sich halt Das ganze Leben ist ja eine Veränderung.

00:10:04: Ja, auf jeden Fall!

00:10:05: Also früher war mein so genanter Freundeskreis wirklich auch riesig für überall Leute wie ich kannte und dann irgendwann sortiert sich das ein bisschen aus.

00:10:13: in der Nüchternheit kam an einen Punkt oder bin jetzt auch gerade an so ein Punkt, wo die Gruppe wirklich eher sehr klein ist und das auch manchmal so ein bisschen einsam macht.

00:10:24: Aber man hat halt wieder neue Möglichkeiten und dass was dann entsteht und die Freundinenschaften, die ich jetzt angefangen habe, die fühlen sich viel tiefer und viel verbundener

00:10:33: an.

00:10:39: Wann hast du angefangen mit Vivian Alkohol zu trinken?

00:10:42: Du sagst, du hast häusliche Gewalt erlebt, kann man das so

00:10:45: sagen... Ja genau!

00:10:47: Ich hab angefangen ...mit dreizehn ungefähr irgendwie das erste Mal heimlich hinterm Schulhof, eine geklaute Flasche Weißwein mit zwei Freundinnen.

00:11:01: Wie kam es dazu?

00:11:03: Das ist schwer zu sagen!

00:11:05: Ich glaube dass ich zu dem Zeitpunkt auch irgendwie so Liebeskummer hatte.

00:11:09: also da waren auch schon so Geschichten irgendwie wie Typen aus der gleichen Jahrgangsstufe und dann gab's irgendeinen Drama.

00:11:18: Ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher ob das alles so... in einem Zeitraum war.

00:11:23: Aber es war auf jeden Fall mit drei Zwischen, wo wir dann da angefangen haben, Alkohol zu trinken und wo das auch so auf den ersten Home Parties, die man damals hatte, zur Regel wurde oder auf Klassen fahrten und so, dass daheim nicht alles an den Start war und alles... Und wie gesagt immer bis zur Eskalation auch die ganze Gruppe, mit der ich damals unterwegs war?

00:11:44: Ja, das war mir genauso!

00:11:45: Auch genau das Alter Ich glaube, aber das ist ja auch und es hat ja auch wieder was mit der alkoholfreien Kasse zu tun.

00:11:51: Der Alkohol ist so omnipräsent um uns herum und die Erwachsenen trinken.

00:11:56: Und weiß ich gerade so die frühen Teenagerjahre sind ja genau die Zeit wo man unbedingt erwachsen werden will?

00:12:03: Was liegt dann näher als genau das zu trinken oder die Dinge zu tun, die man als Kind nicht darf sondern den erwachsenden Vorbehaltenes oder Rauchen trinken

00:12:13: usw.?

00:12:14: Ja

00:12:14: auf jeden Fall!

00:12:15: Ich habe auch das Gefühl, dass zu der Zeit nicht so viel Aufklärung stattgefunden hat.

00:12:21: Dass es angeht.

00:12:22: Also klar war irgendwie gesagt als Kind, dass du nicht trinkst oder das nicht rauchen was verboten ist, ist irgendwie spannend.

00:12:29: aber alle sind also.

00:12:30: ich kann mich nicht erinnern, dass es eine Familienfeier gab wo nicht alle irgendwie getrunken haben und deswegen war das halt so komplett normal und deswegen musste man das ja auch tun.

00:12:43: Total verrückt, bei mir gab es eine Null-Aufklärung.

00:12:46: Wir regelmäßig hast du getrunken als Teenager?

00:12:49: Ich hab dann heimlich diese Weißweinflasche vernichtet und war das jedes Wochenende.

00:12:56: oder wie kann man sich das vorstellen?

00:12:58: Ich denke, es war jedes Wochenend oder vielleicht jedes Zweite auch irgendwie auf... Dorffesten oder dann hat jemand bei sich zu Hause eine Party gemacht und je nachdem, bei wem die auch war gab es auch Eltern, die das sozusagen unterstützt haben.

00:13:15: Es war ja sozusagen ein kontrollierter Rahmen wenn wir bei denen zuhause waren aber trotzdem wurde da getrunken ohne Ende oder einer der hatte so einen Gartengrundstück dann haben wir Zeit dargetroffen Und wenn nicht mindestens die Hälfte der Leute gekotzt hat am Ende, dann war es kein guter Abend.

00:13:35: Ist dir dort irgendwann mal aufgefallen, dass du da schon ein Problem hattest?

00:13:39: oder würdest du sagen, du hattet dort gar kein Problem?

00:13:43: Nee also das ist mir aufgefallen wäre...würde ich ...ne, war mir damals auf gar keinen Fall bewusst.

00:13:51: jetzt im Nachhinein gesehen finde ich das schon problematisch wobei es auch irgendwie schwierig ist zu sagen.

00:13:58: Also natürlich hatte ich diese ganzen Erlebnisse aus meiner Kindheit, die irgendwie auch überhaupt gar nicht thematisiert wurden oder werden durften weil es war auch krasse Tabuthemen waren irgendwie und ich wollte mich halt immer normal fühlen.

00:14:11: also ich denke das hat schon mit reingespielt.

00:14:14: aber das Umfeld was es unterstützt hat kam dann noch hinzu so dass es auch niemandem aufgefallen ist und dass niemand wirklich hinterfragt hat.

00:14:21: an dem moment

00:14:22: Hattest du noch andere Strategien mit dem Thema Zuhause?

00:14:26: Umzugehen beziehungsweise magst du da noch detaillierter drüber reden, was genau deine Situation zu Hause war als Teenager?

00:14:35: Es hat schon sehr früh angefangen dass ich sexualisierte Gewalt durch meinen Onkel erlebt habe.

00:14:43: Schon wirklich als kleines Kind und das hat sich sehr viele Jahre hingezogen.

00:14:49: Ich glaube es so ungefähr bis ich dreizehn-virzehn war Meine Eltern, ich kann das jetzt nicht mit Bestimmtheit sagen.

00:15:00: Ich habe aber so ein Gefühl dass sie auch gerne backgeschaut haben bei all diesen Dingen und ja dadurch halt auch eine krasse Vernachlässigung entstanden ist.

00:15:12: also ich viel allein war auch mit all den Themen die ich irgendwie zu bewältigen hatte sehr früh auch Verantwortung übernehmen musste um für mich dafür zu sorgen, dass diese Übergriffe irgendwie aufhören was ich dann auch irgendwann geschafft habe.

00:15:27: Und dann ist es irgendwann auch alles rausgekommen.

00:15:30: aber meine Eltern hatten halt ihre Strategie dafür zu sagen okay wir brechen jetzt den Kontakt ab und damit ist das Thema geklärt oder wurde halt gar nichts aufgearbeitet nicht als Familie und auch nicht für mich.

00:15:45: und so hab ich das halt noch jahrelang für mich weitergetragen bis ich es geschafft habe jetzt letztes Jahr ein Gerichtsprozess gegen ihn zu führen, den ich auch gewonnen habe.

00:15:56: Und jetzt hat dieses Thema für mich so einen Ende gefunden durch diesen Prozess wirklich.

00:16:00: aber die Jahre dazwischen waren ein einziges Auf- und Ab teilweise weil ich gar nicht genau wusste Was passiert eigentlich in mir?

00:16:07: Was sind diese ganzen komischen Gefühle, die ich ständig habe.

00:16:10: Warum funktionieren alle meine Beziehungen überhaupt nicht?

00:16:13: Was ist das für Gefühlen?

00:16:14: Also nur falls jemand auch betroffen ist und es irgendwie auch nicht ganz einordnen kann weil wir haben es ja auch mit Trauma zu tun und es wird viel verdrängt und es ist manchmal schwierig auf gerade so alte Erinnerung zuzugreifen oder insbesondere wenn man so jung war... Und insbesondere plus wenn dann das äußere Umfeld einen so suggeriert, vielleicht täusche ich mich in meiner eigenen Wahrnehmung.

00:16:39: Das ist ja auch immer noch ein Thema oder was damit rein spielt?

00:16:43: Was sind das für Symptome?

00:16:47: Also hauptsächlich Einsamkeit würde ich sagen.

00:16:51: Es ist doch ein Thema was mich bis heute irgendwie begleitet und so dieses Gefühl Ich muss alles alleine schaffen Und wenn ich nicht zweihundert Prozent gebe dann reicht es nicht was mich einerseits im Leben weit gebracht hat.

00:17:08: Ich bin auch eher beruflich selbstständig und darauf bin ich sehr stolz, aber wenn ich mir manche Lebensphasen so angucke wie viel Druck und Stress ich mir da selbst gemacht habe um allein all diese Dinge zu erreichen war es auch manchmal wirklich extrem auslaugend.

00:17:23: Und das Thema Beziehung dass sich zwar immer oder sehr häufig auch Beziehungen hatte, manchmal längere.

00:17:30: Ich war auch eine Zeit lang verheiratet aber wie es auch relativ klassisch oft passiert bei traumatisierten Menschen dass man sich immer wieder so Muster sucht die jemand kennt und das sind meistens nicht die Guten was man immer wieder an Leute gerät die einen eben vielleicht auch schlecht behandeln oder wo toxische Dynamiken entstehen oder so.

00:17:53: Und das habe ich ja sehr oft erlebt, dass ich auch immer wieder an Männer zum Beispiel geraten bin die sich übergriffig verhalten haben und so.

00:18:02: Das hat sich echt wie ein roter Faden durchgezogen und ich hab mich immer wieder gefragt woran liegt es denn?

00:18:08: Mittlerweile konnte ich da ganz viel halt auch für mich dekonstruieren.

00:18:12: hinzu kommt einfach nur eine ganz große Wut.

00:18:16: Diese Reise führt dazu, dass sie mich gut abgrenzen kann in unterschiedlichsten Situationen, aber die auch... weiß nicht.

00:18:23: Wenn man so voll mit Wut ist dann ist wenig Platz irgendwie für Weichheiten und auch für Mitgefühl mit sich selbst und Selbstliebe an diese Themen.

00:18:32: Ja, aber es ist ja auch so berechtigt wütend zu sein oder?

00:18:37: Also das ist doch auch gut da diese Abgrenzung dann zu haben und auch diese Energie dann in Richtung zu gehen und sagen hey ich zeige die Person jetzt an also da gibt's jetzt ein Gerichtsverfahren.

00:18:49: Das braucht ja auch unfassbar viel Energie, weil das ist ja auch kein Ding was ich von heute auf morgen erledigt.

00:18:58: Sondern wie lang hat sich dieser ganze Gerichtsverfahren dann begleitet?

00:19:02: Das sind immer längere Prozesse.

00:19:05: Genau!

00:19:05: Das hat ungefähr zwei Jahre gedauert also von der Anzahl bis zum Verfahren letztendlich.

00:19:13: Ich denke es war noch ein halbwegs überschaubarer Zeitraum, sonst kann man sich auch echt länger ziehen.

00:19:18: Und auch im Nachhinein habe ich mit meiner Anwälte dann besprochen, dass ich irgendwie Glück hatte, dass die Dinge am Ende so gelaufen sind wie sie gelaufen.

00:19:28: Dass er zum Beispiel keinen Anwalt dabei hatte und sich selbst verteidigen wollte als solche Geschichten.

00:19:35: Und wir einen wirklich guten Richter hatten der auf meiner Seite war.

00:19:41: also... Man muss ja mal sagen, dass solche Taten... Also ein Prozent dieser Taten werden verurteilt am Ende.

00:19:48: Das ist so krass!

00:19:49: Ah das ist so furchtbar wirklich.

00:19:50: Und da kann ich mich so glücklich und dankbar schätzen, dass sich da gut durchgekommen bin.

00:19:57: Weil manchmal hast du dann halt auch das Problem und es war zwischendurch immer wieder mein Zweifel.

00:20:01: War das eine gute Idee?

00:20:02: War das reist ja alles wieder auf und das war ne richtige Anstrengung.

00:20:06: Zeit, wenn ich mich zwischenzeitlich oft gefragt habe so war das jetzt so gut wirklich diesen Schritt zu gehen.

00:20:12: Wie war das?

00:20:13: Also war es im Endeffekt gut auch vielleicht alles nochmal aufzureißen?

00:20:17: Ja also ob das so gut war dass wieder aufzüreißen kann ich nicht unbedingt sagen.

00:20:22: aber dieser Abschluss und diese für mich auch positive Abschluss auch wenn die Strafe niemals in einem Verhältnis zudem stehen wird was ich erlebt hab Trotzdem ihm auch noch mal sagen zu können, pass mal auf das was du getan hast hat ein Großteil meines Lebens wirklich nichts das stört aber wirklich nicht so lebenswert gemacht.

00:20:44: Das war heilsam für mich und es hat dann nach dem Gerichtsprozess nochmal so... Ein halbes, dreiviertel Jahr gedauert bis ich wirklich mich beruhigt hatte und jetzt kann ich sagen das Thema findet nicht mehr jeden Tag in meinem Leben statt.

00:20:57: Und es ist ein richtig großer Vortritt.

00:20:59: Super ja was war die Strafe?

00:21:01: Was hat er für eine Strafe bekommen?

00:21:03: Eine Freiheitsstrafe die zur Bewerbung ausgesetzt wurde und er musste Geld spenden an eine Hilfsorganisation in meiner Heimatstadt Und er musste, wir haben dann noch Schmerzensgeld von ihm gefordert für mich persönlich.

00:21:20: Okay.

00:21:22: Wie ist mit deinen Eltern?

00:21:24: Mit meinen Eltern habe ich keinen Kontakt mehr auch seit vierenhalb Jahren.

00:21:30: jetzt glaube ich.

00:21:31: Ich glaub es war so ein Jahr bevor ich nüchtern geworden bin und da gab's auch nochmal einen Erklarer der auch mit dem Thema zu tun hatte was leider ganz ganz schwierig war.

00:21:43: Ich hab dann versucht, meinen Eltern zu sagen so ... dass ich immer noch auf einem Heilungsweg bin.

00:21:50: Und das ich aber dafür ein bisschen Abstand von der Familie brauche.

00:21:53: Weil dort ist es immer totgeschwiegen worden und das stand wie einen Elefant im Raum.

00:21:58: Niemand hat das angesprochen.

00:22:00: Und ich habe gemerkt, das tut mir überhaupt nicht gut.

00:22:04: Und wollte einfach nur sagen, passt auf!

00:22:07: Ich wollte keine Vorwürfe machen oder sowas?

00:22:11: weil Menschen handeln halt so wie sie handeln und ich denke, dass die irgendwie das was in ihrer Macht dann beste für mich tun wollten.

00:22:20: Aber es war halt einfach nicht das Richtige.

00:22:22: Das haben Sie leider nicht so gut aufgenommen, nicht verstanden als ich das gesagt habe.

00:22:27: Dann gab's einen großen Streit und dann ist dieser Kontakt einfach auseinandergebrochen.

00:22:31: beziehungsweise ich hab irgendwann gesagt okay wenn das euer Standpunkt ist auf dem ihr beharren wollt wenn ihr das was ich sage als Vorwürfe auffassen wollt Könnte mich hier leider nicht mehr weiterreden, weil meine Heilung ist mir jetzt gerade wichtiger.

00:22:48: Ja total stark wirklich von dir.

00:22:53: ich finde das unmöglich.

00:22:54: also ich kriege da auch nur Wut auf die Eltern und ich finde es so gut den Kontakt zu solchen Menschen abzubrechen Familie hin oder her persönlich auch keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern.

00:23:07: Ich mag jetzt die Geschichten überhaupt nicht vergleichen oder irgendwie wiegen, aber ich finde das was du sagst so wichtig dass die eigene Heilung einfach im Vordergrund steht und sich auch so davon loszulösen dass man den Eltern eigentlich nichts schuldig ist.

00:23:21: also das ging ganz ganz lange auch nicht in mein Kopf rein Oder wenn... Also ich weiß nicht wie es dir geht Dass man irgendwie das Gefühl hat Das kann man ihnen jetzt nicht antun.

00:23:30: Dabei haben sie einen so viel angetan.

00:23:33: Ja Ja, definitiv.

00:23:35: Also wir sind unseren Eltern einfach nichts schuldig und ich denke auch immer, dass alle Fehler machen dürfen.

00:23:44: Fehler sind ganz normal!

00:23:46: Und für mich wäre es auch fein gewesen so einfach dann irgendwann zu sagen man setzt sich nochmal an den Tisch.

00:23:51: aber in diesem ganzen Prozess wo ich hingegangen bin gesagt habe mir geht's nicht gut Ich muss jetzt wirklich was tun und dazu gehört dieser Abstand wurde nur auf mich zugegangen und wurde ich nur angegriffen, ohne... Und niemand.

00:24:09: Ich habe auch noch einen kleinen Bruder.

00:24:11: Niemand ist mal auf die Idee gekommen, zu fragen, hey, wie geht's denen eigentlich?

00:24:15: Weil niemand über dieses Thema sprechen wollte und da ist halt so, dann denk' ich mir nie!

00:24:22: Das ist so viel negative Energie.

00:24:24: damit kann ich absolut nicht.

00:24:25: Nein

00:24:26: das geht gar nicht.

00:24:27: Das ist ja ganz, ganz schlimm.

00:24:29: Es ist einfach wirklich... wirklich, wirklich schlimm.

00:24:33: Weil es in dem Fall nicht um das eigene Kind geht sondern nur um dass man sich selbst wohlfühlt.

00:24:42: oder es geht einfach nur wieder um die eigenen Person.

00:24:45: und das ist auch der Grund warum Dinge totgeschwiegen werden weil man einfach nicht mit dieser Thematik klar kommt weil sie einen unwohl fühlen lässt.

00:24:53: aber ich meine wie geht's denn dir bitte?

00:24:56: also da steht ja keinem Verhältnis

00:24:59: Ja genau.

00:25:00: Und ich muss sagen, dieser Schritt am Ende hat mir dann erleichterungen verschafft.

00:25:05: Weil das einfach ein Thema war, wo ich nicht immer wieder so... Als Kind gehst du ja oft mit Hoffnung rein jedes Mal.

00:25:13: Dann wird es diesmal besser.

00:25:16: Jetzt wenn ich meine Eltern wieder besuche, wird das wieder unangenehm?

00:25:19: Kommt jetzt diesmal vielleicht endlich, was uns wieder zusammenbringt oder so.

00:25:23: Und dieses Hin und Her oder Nervensystem gar nicht weiß, was es erwarten soll... ...und sehr oft dann auch einfach wieder enttäuscht wird,... ...dass das halt viel zu anstrengend

00:25:32: ist.".

00:25:33: Diese ganzen Eltern-Kindgeschichten, die gehen so tief rein.... ...und man macht so viele Angebote auch immer wieder und immer wieder.

00:25:41: Es ist ja nicht so dass man so eine große Entscheidung... von heute auf morgen trifft, sondern das einfach immer wieder so viel passiert.

00:25:49: und immer wieder ist man auch die Eltern zugegangen und hat Angebote gemacht.

00:25:53: Und immer wieder wie du sagst wird man da vor den Kopf gestoßen und irgendwann reicht es halt.

00:25:58: Irgendwann reicht's halt einfach ja und da ist auch nur Wut irgendwie total angebracht und total heilsam oder?

00:26:04: Ja, ich sage mal Wut ist halt auch Abgrenzung und das ist voll wichtig

00:26:09: Kannst Du Dich erinnern... Weil der Missbrauch ja so früh begonnen hat, dass du da irgendwelche Signale deinen Eltern gegeben hast.

00:26:19: oder war das gar nicht möglich?

00:26:23: Ich weiß, dass es Signale gab.

00:26:26: Dass ich versucht habe auch Dinge anzusprechen.

00:26:29: Ansonsten war ich dann eher ein auffälliges Kind.

00:26:33: Also ich hab halt sehr oft Dummheiten gemacht... Krankheiten vorgetäuscht oder so, weil ich Aufmerksamkeit wollte.

00:26:42: Ich konnte nie wirklich explizit benennen bzw.

00:26:47: habe mich ja auch jahrelang irgendwie geschämt für die Dinge, die da passiert sind.

00:26:52: Aber ich wollte aufmerksam sein und ich wollte dass sich jemand um mich kümmert.

00:26:56: aber das hat eher meistens dazu geführt, dass ich halt keine Ahnung irgendwelche Strafen bekommen hab oder so... Und diese wirkliche Zuneigung, die ich mir erhofft habe dann trotzdem nicht da war.

00:27:14: Wie hat

00:27:14: Alkohol da reingespielt?

00:27:18: Ich sage immer, Alkuhl war mein Hebel zum Normal sein.

00:27:22: Alkohl hat mir ermöglicht normale Freundschaften zu führen teilweise auch eine normalen Alltag, ein normales Sexleben all diese Dinge.

00:27:31: das war mir damals nicht klar weil ich mir dachte Alk Kohle ist so ganz normal und das machen alle Menschen so.

00:27:37: Aber heute weiß ich, dass mir das normal sein ermöglicht hat.

00:27:43: Normal sein im Sinne von Ich funktioniere?

00:27:46: Genau!

00:27:49: Als du den Alkohol dann hast sein lassen, wie ging es dir damit?

00:27:54: Hast du schon während deiner Alkohlabhängigkeit oder deines Alkholkonsums die neue Strategien aneignen können.

00:28:01: Da sind ja erst mal ganz viele Baustellen denke ich mir.

00:28:03: also wenn Alkool immer das Werkzeug war und immer das Tool was wir halt verwenden um entspannt in ein Date gehen zu können oder sich irgendwie gut unterhalten zu können Oder eben was du sagst Sex haben zu können Wie ging's dir, was waren deine Methoden nüchtern mit all diesen Situationen umzugehen?

00:28:21: Also in der ersten Zeit war ich echt so wie ein Wattekokon.

00:28:26: Hauptsache es passiert jetzt nichts Schlimmes weil sonst weiß ich nicht was ich tun soll aber meine feste... Was mir fest vorgenommen hatte war dass ich alles mache was bisher auch gemacht habe nur halt ohne Alkohol und das hat so Keine Ahnung, vier Wochen funktioniert das ich festgestellt habe.

00:28:45: Ja aber viele Dinge machen gar keinen Spaß mehr ohne Alkohol.

00:28:48: also... Ich war irgendwie ein zweimal feiern und da war es so, ja toll jetzt gucke ich allen anderen beim Konsumieren zu.

00:28:56: Aber das macht dann hier kein Spaß!

00:28:59: Und dann hat sich das so nach und nach verschoben dass ich andere Dinge entdeckt habe.

00:29:07: was das Thema Sex angeht war es in der ersten Zeit auch noch ganz okay, weil ich da auch versucht habe so weiterzumachen wie bisher.

00:29:15: Ich war in meiner Trinkzeit dann auch viel im Kit-Kat und in der Belina Kinky Szene unterwegs und hatte da viele Leute irgendwie und hab dann auch glaube ich drei Monate nach meiner Nüchternheit einen Partner kennengelernt mit dem ich fast zwei Jahre zusammen war.

00:29:35: Leider auch wieder jemand, der gewisse Grenzen nicht respektieren konnte aus unterschiedlichen Gründen.

00:29:43: Aber zumindest war das erstmal so okay.

00:29:45: jetzt bin ich nüchtern und schau mal wie sich das anfühlt mit der Nähe und der Distanz.

00:29:51: aber dann wieder ganz andere Probleme zum Vorschein die ich bis dahin noch gar nicht kannte.

00:29:58: in Beziehung Die ganze Zeit Prozessen, auch nach dreieinhalb Jahren ist es immer noch ein Prozess.

00:30:05: Jetzt zum Beispiel habe ich gerade gar kein Sex und kann mir z.B.

00:30:08: nicht mehr vorstellen mit Männern Sex zu haben und schaue jetzt eben nach der jetzt mit Frauen.

00:30:16: und also das war... Also ich wusste schon immer dass ich auf Frauen stehe aber mittlerweile bin ich an einem Punkt wo ich sage aus unterschiedlichsten Gründen kommen Männer einfach nicht mehr in Frage und es macht mich auch irgendwie nicht mehr so an.

00:30:33: Ich verstehe, glaube ich sehr viele Frauen.

00:30:43: Was kamen für neue Probleme hoch?

00:30:47: Angeschnitten, dass da neue Probleme in der Beziehung kamen.

00:30:49: was waren das für Probleme?

00:30:52: Genau also Näher-Distanzregulation auch immer noch ein sehr großes Thema so als ich hatte dann Partner schon sehr, sehr viel Nähe wollte und am besten auch an meinem ganzen Leben teilhaben.

00:31:03: Und das ist natürlich irgendwie im ersten Moment auch erstmal ganz schön.

00:31:08: Und irgendwann war es dann plötzlich aber zu eng.

00:31:12: Ich hab die Angewohnheit, sehr schnell den Rückzieher zu machen.

00:31:18: Also ich habe nicht die Beziehung direkt beendet.

00:31:19: Aber ich hab mich immer mehr zurückgezogen und hab gleichzeitig nicht so richtig Worte dafür gefunden für das was ich empfinde... empfunden habe.

00:31:28: Also dass ich oftmals dann nicht bei ihm sein wollte, weil es sich in dem Moment plötzlich unsicher für mich angefühlt hat und das konnte ich mir auch dann irgendwie gar nicht so richtig erklären.

00:31:40: aber es war dann immer so... Ich muss jetzt hier raus!

00:31:43: Ich kann da jetzt gerade nicht übernachten und vielleicht sehen wir uns jetzt auch nicht mehr drei Tage die Woche sondern nur noch einen Tag, sodass natürlich auch schwierig für eine Beziehung vor allem wenn die Bedürfnisse so unterschiedlich sind.

00:31:56: Und ja, deswegen ist im Moment grad so ein Punkt wo ich gar nicht so richtig weiß.

00:32:03: Also ich hätte super gerne eine Partnerschaft aber genauso viel Angst habe ich auch davor mich irgendwie für irgendwas zu eröffnen und auf mich auf was einzulassen.

00:32:11: Bist du noch in Therapie?

00:32:12: Ja, aktuell bin ich noch in der Therapie.

00:32:15: Ich denke die wird jetzt auch irgendwann mal auslaufen.

00:32:22: Föhn vor der sechs Jahre beim gleichen Therapeuten habe ich schon sehr Glück gehabt, dass meine Krankenkasse das immer wieder durchgewunken hat.

00:32:28: Ich denke, dass ich demnächst aufhör wobei auch sagen muss, dass sich auch so das Gefühl habt, dass es jetzt ganz gut auch auf eigenen Beinen stehen kann.

00:32:41: Sexual Bodywork Coaching gemacht.

00:32:45: Mit Lena, die macht das auch spezialisiert auf Menschen, die nüchtern geworden sind und sich mit diesen ganzen Themen, die dann halt entstehen... Und das ist ja bei mir kein Einzelfall, dass ich in meiner Sexualität am Struggle bin.

00:32:59: Also es haben jetzt super viele immer viel getrunken haben, Sex nur habe konnten wenn sie alkoholisiert waren und dann plötzlich nüchternd sind und sagen so Wie geht's jetzt eigentlich?

00:33:12: Warum kann ich mich nicht entspannen, warum kann ich nicht loslassen.

00:33:15: All diese Fragen, die dann aufkommen.

00:33:17: Genau und da ist hier eine ganz tolle Coach, die das macht.

00:33:23: Und sie hat mich da ein paar Wochen auch begleitet.

00:33:27: Da sind wir auch mal so ein paar Themen angegangen und sowas ist auf jeden Fall total hilfreich auf dem Weg.

00:33:34: Ja, das finden wir auch!

00:33:35: Ja, es ist so oft dieses in Form trinken.

00:33:37: Oder um dann die eigenen Grenzen auch irgendwie nicht mehr fühlen zu müssen oder vielleicht hat man sie eh nie so richtig gefühlt und vielleicht auch zu merken wow ich bin früher so habs so arg viele Schritte übersprungen auch beim kennenlernen.

00:33:52: ja es ist einfach auch schöne Dinge langsam anzugehen und sich halt auch nicht so einen Druck zu machen und sich sein eigenem Tempo ein Menschen kennenzulernen.

00:34:03: Das ist auch ein großes Geschenk, glaube ich.

00:34:05: Der Nüchternheit dass wir wieder und eine Herausforderung also beides ein großes geschenk und einer Herausforderung das für uns so gut wieder kennenlernen und spüren und halt nicht immer nur die angenehmen Dinge aber einen riesengroße Chance um weiter zu machen und wachsen zu können durch diesen ganzen Schmerz halt auch durchzugehen.

00:34:26: und da weißt du Ja, sicher am besten vielleicht auch was dir in dieser Zeit geholfen hat.

00:34:32: Magst du da vielleicht noch so ein paar Dinge an Leute schicken die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind oder vielleicht in einem anderen aber gerade vielleicht auch Angst haben den Alkohol sein zu lassen weil sie fürchten dass dann so unfassbar viel hoch kommt?

00:34:48: Also das wichtigste was ich gelernt habe in der zeit ist das gefühle einen nicht umbringen Früher ganz oft so, wenn ich dieses Gefühl jetzt zulässe dann weiß ich nicht ob ich es überliebe.

00:35:01: So und das ist natürlich Quatsch mit dem Gefühl kann eigentlich umbringen.

00:35:06: Das fühlt sich unterschiedlich Scheiße an manchmal aber man kann da durchgehen.

00:35:14: uns gibt halt viele Tools einfach die helfen können und ich kann alle nur ermutigen die nüchtern werden auch mal so in sich rein zu fühlen, was würde mir denn gerade Spaß machen?

00:35:28: Und ich bin Fitness-Trainerin und Yoga-Lehrerin geworden nebenberuflich.

00:35:35: Das war es, was mich unfassbar erfüllt!

00:35:40: Ganz besonders Yoga ist etwas, das mich auf meinem Heilungsweg auch immer vorangebracht hat... unterschiedliche Dinge, auch Meditation.

00:35:50: Sie einfach mal hinsetzen mit einem gefühlen Abwarten, gefühldauert ungefähr eine andere halbe Minute dann kommt das nächste und dann ist es schon wieder leichter.

00:35:58: aber wenn wir uns die Zeit nicht mehr nehmen, nicht mal diese anderthalb Minuten Dann bleibt alles da staut sich auf und dann explodiert man irgendwann sozusagen Genau.

00:36:10: und also Sport, Yoga Dass dann so meine Tools und dass ich es jetzt noch sozusagen weitergeben kann an andere, das ist einfach... Das fühlt sich ganz großartig an für mich.

00:36:21: Ach toll!

00:36:23: Ja, ich finde Sport auch die Arbeit mit dem Körper und das ist eben ja auch ein super Ausgleich weil Alkohol ja natürlich auch extrem körperlich wirkt sowie alle Drogen und wie dadurch auch wirklich gesunde Art und Weise kompensieren können.

00:36:48: Wie kommt zurück, noch mal zurück zur alkoholfreien Kasse?

00:36:51: Wie ist die Resonanz?

00:36:53: Ganz unterschiedlich.

00:36:54: Wir haben angefangen in so eine Briefvorlage aufzusetzen.

00:36:58: Die findet man auch auf unserer Website zum einfach rauskopieren.

00:37:01: das wird sozusagen niedrigschwellig den Menschen was an die Hand geben können und was sie halt selber tun können.

00:37:10: Das kann man entweder ausdrucken hinschicken oder im Supermarkt vorbei bringen oder halt auch per E-Mail hinschenken wo dann drin steht Denken Sie doch mal drüber nach, das ist so ein kleiner Moralappell auch an die Supermärkte.

00:37:22: So übernimmt Verantwortung.

00:37:24: Das machen einige... Das hat jetzt tatsächlich noch keinen Supermarkt dazu bewegt den Alkohol da wegzuräumen.

00:37:32: Wir haben auch schon einige vor Ort angesprochen.

00:37:35: wir haben auch mal E-Mails geschrieben oder ich rufe da auch dann mal an Auch wenn mir manchmal so positive Beispiele sehen von alkoholfreien Supermark Kassen Die es tatsächlich schon gibt.

00:37:45: Meistens sagen die Supermärkte, egal ob der Alkohol steht oder nicht.

00:37:49: Wir wollen mit euch nichts zu tun

00:37:50: haben.".

00:37:50: Da kommt so was wie Danke für eure Initiative aber das passt nicht zu unserer Philosophie.

00:37:55: oder wir wollen nicht mit euch darüber sprechen...

00:37:58: Welche Philosophies Geld machen?

00:38:00: Ja

00:38:00: genau!

00:38:05: Genau ja.

00:38:06: also das macht es ganz ein bisschen schwierig und da haben wir schnell feststellen können okay mit nur supermärkten ansprechen ist natürlich nicht getan.

00:38:15: Wir machen weiter diese Hashtag-Aktion, mit der ich ja angefangen hatte.

00:38:18: Also wirklich Fotos machten in den Supermärkten die Supermärke darauf verlinken.

00:38:23: auch dann fühlen sie sich nicht dazu bewegt irgendwas zu ändern.

00:38:27: aber manchmal antworten die halt und also das heißt ja dass sie es schon registrieren, dass da Leute sind, die das nicht so geil finden.

00:38:37: Und aus meiner Erfahrung und den Gesprächen, wie wir führen ist es ja nichts was nur uns nüchtern Menschen oder sag ich mal, sucht gefährdete Menschen angeht.

00:38:46: Sondern das gibt ganz viele auch darüber hinaus die, dass Empören finden so mit dem Alkohol.

00:38:52: Dass halt auch Profit gemacht wird in Anführungsstichen kranken Menschen.

00:38:58: So... Das ist einfach crazy!

00:39:02: Genau wir arbeiten gerade sehr an unserer Reichweite also wirklich die Aktion bekannter zu machen.

00:39:09: Wir gehen viel auf.

00:39:10: Events Recovery Walk In Deutschland waren wir letztes Jahr in Leipzig.

00:39:18: Ja, so was machen wir natürlich und das ist toll, Leute noch ins Gespräch zu kommen und wir haben schon eine kleine Fan-Community auch, die anderen da auch erkennen und genau... Was sehr positiv ist, dass einige kommunale Parteien am Dach aufmerksam geworden sind also hauptsächlich Grüne und Linke im Bereich von Hamburg die auch Anträge gestellt haben in ihren jeweiligen Bezirken.

00:39:44: Und auch da ist jetzt noch nicht krass viel passiert, aber das sind alles so kleine Steps und ich war ja am Anfang naiv.

00:39:52: Ich dachte wir machen das jetzt und nächsten Monat haben wir kein Alkohol mehr an den Kasten.

00:40:00: Wir brauchen dafür wirklich einen langen Atem.

00:40:03: was ich aber Parallel dazu wichtig finde viele Menschen erreichen, mit vielen Menschen ins Gespräch kommen und dadurch halt auch Aufklärungsarbeit machen können.

00:40:12: Also wir gehen auch in Suchteinrichtungen am Anfang des Jahres hier in Berlin.

00:40:18: In der Tagesstätte habe ich mit deren Selbsthilfegruppe einfach eine Stunde mal ein Gespräch geführt.

00:40:23: so wie fühlt ihr euch eigentlich wenn ihr in den Supermarkt geht?

00:40:27: Und das sind noch keine Taten die wirklich was verändern.

00:40:33: aber es bringt Menschen zusammen.

00:40:35: Die merken da ist jemand da draußen in dieser gefährlichen Welt für Menschen, die einfach abstinent bleiben müssen vielleicht auch weil sie schon einen gewissen Punkt waren in ihrer Sucht.

00:40:47: Da sind Menschen die setzen sich dafür ein für unsere Interessen und das ist was, was solchen Menschen unfassbar Mut macht.

00:40:53: Für mich war es so richtig bewegendes Travel-Case-Ogen sehr haut wenn ich daran denke dass es einfach toll war dort mit den Menschen zu sprechen.

00:41:01: Ja voll gut Ja, es ist auch etwas so politisches oder?

00:41:05: Also da muss einfach die Politik.

00:41:07: Das ist wie mit allem.

00:41:08: also das ist klar dass die Supermärkte sich da schwer schon einfach freiwillig auf Profit zu verzichten wenn es eigentlich kein Gesetz dafür gibt.

00:41:16: warum sollten sie das tun?

00:41:17: Es sei denn es wirklich so viel Druck von der Gesellschaft dass Sie sagen hier die Nachfrage steigt hat.

00:41:23: auf einer anderen Seite das sehen wir ja auch also dass ganz viele neue alkoholfreie Getränke auf den Markt kommen weil immer weniger Menschen trinken oder auch gerne alkoholfreie Alternativen mit- oder ohne Alkoholproblem.

00:41:37: Das darum geht es jetzt gar nicht so, sondern das ist schon ein Trend der Cooles.

00:41:43: aber es dauert natürlich noch viele viele viele Jahre denke ich bis das dann noch besser wird.

00:41:52: Ja genau ja aber halt dran bleiben.

00:41:56: Ich lese manchmal Kommentare bei Instagram so was soll das schon bringen?

00:42:02: Was kann meine Stimme bewegen?

00:42:04: Und wenn alle so denken würden, dann werden wir nichts erreichen.

00:42:08: Aber es zählt einfach jede Stimme!

00:42:10: Jede Person, die mal sich Zeit nimmt entweder ein Foto zu machen im Supermarkt oder eine Briefvorlage da hinzuschicken... Oder uns vielleicht auch mal zwei Euro spendet damit wir also Druckung hat so Flyer und Sticker, die man auch so verteilen kann.

00:42:26: Und halt so ein bisschen Werbematerial für unsere Veranstaltung auf dem wir sind.

00:42:30: Und genau da freuen wir uns halt einfach überspenden.

00:42:34: Dann können wir wieder weiter wachsen weil wir sind, das hat es am Anfang noch gefragt wer überhaupt.

00:42:39: wir sind also nicht Jana und ich.

00:42:43: Wir haben mittlerweile einen Team von so sechs sieben Leuten im Background Die das alle ehrenamtlich machen.

00:42:50: Wir haben einen, der macht die Website, der kümmert sich um die Grafik und wir haben jetzt jemanden für Social Media.

00:42:56: Und ja, alle steuern da so halt ihren Teil dazu bei und wir machen auch im Hintergrund voll viel.

00:43:02: Wir wurden schon angefragt auch für Fachbücher tatsächlich über das Thema Stigmatisierung und Alkohol in Verbindung mit der Supermarktkasse zu schreiben.

00:43:13: So bilden wir uns so ein kleines Netzwerk.

00:43:16: Aber ich könnte noch fünf, sechs, zehn andere Personen beschäftigen die Dinge tun, die uns helfen würden, die die Aktion größer machen und deswegen brauchen einfach alle!

00:43:31: Ja, total gut.

00:43:33: Ich werde alles verlinken und alles was du gerade genannt hast und dann ja Leute schickt ein Brief und spendet wenn ihr Lust habt.

00:43:45: ich denke jeder Betrag ist total hilfreich, sprecht über das Thema und so weil ich finde es auch extrem wichtig und ich find's ein Ding der Unmöglichkeit dass sowas überhaupt erlaubt ist und ich finde, es bräuchte absolut eine politische Intervention gesetzt ist das verbietet.

00:44:02: Wenn man schon nicht den Alkohol komplett auslagert, weil es gibt Länder in denen das in Liquor Stores sind, Kanada oder so zum Beispiel wo warum muss ein Bier oder Sekt oder Wein oder auch die hochprozentigen Sachen neben dem Snacks stehen?

00:44:21: Es ist nicht notwendig.

00:44:22: also man kann separat auch an einen anderen Supermarkt fahren und sich dort seine Dinge zu kaufen wenn man das möchte.

00:44:30: Ja, der hier in Deutschland wurde vom Marburger Bund gerade eher so ein... ich weiß gar nicht wie man es nennt Antrag oder Forderung gestellt ist genau das eigentlich passieren soll die das auch schön begründet haben und das finde ich gut dass da auch mal größere Organisationen irgendwie sagen hier so und so und es würde nachweislich auch den Alkohol-Konsum senken.

00:44:55: bei die Hürde Auch wenn abhängig oder vielleicht für einen der potenziell wieder rückfällig wird, erst nochmal in den anderen Laden zu fahren ist eine Hürde.

00:45:05: Das dauert vielleicht, keine Ahnung sagen wir mal zehn Minuten dann ist er so und wieder niedriger.

00:45:13: Und das hilft Menschen die es halt wirklich

00:45:17: brauchen.

00:45:19: Das sind wohl die besten Abschlussorte.

00:45:21: und falls du das alkoholfrei Kassetin unterstützen magst, du findest einen Link in den Show Notes.

00:45:26: Und falls dich das Thema Alkoholkonsum persönlich beschäftigt und du Austausch und neue Perspektiven suchst dann schau dir mal

00:45:33: das Sauberart

00:45:34: Studio an!

00:45:35: Es ist eine wöchentliche Live-Klasse mit viel Input einer feinen kleinen Gruppe, der wir uns gegenseitig supporten.

00:45:43: Du kannst dich anmelden über die Website, einen Link packe ich dir auch in die Schornnoten.

00:45:47: Und ah ja!

00:45:48: Die Sexual Bodywork

00:45:49: Coach

00:45:50: mit Lena natürlich auch super spannend.

00:45:53: Hab es schön bis nächste Woche für dich im Abend und deine Linde von SuperArt.

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