#74: Teil1 // Party, Sex und Einsamkeit - mit Vlady Schklover
Shownotes
Heute habe ich Vlady Schklover zu Gast bei mir im Podcast. Vlady ist Mitte 30, Künstler und hat die queere sober Veranstaltungsreihe "Limonade Queers" gegründet. Ein sehr spannendes, reichhaltiges Gespräch. Part 2 folgt nächste Woche!
Transkript anzeigen
00:00:01: Wenn ich von Flucht spreche, dann ist es bei mir persönlich die Flucht aus der Einsamkeit.
00:00:07: Die Flucht vor mir selbst ist das sich mit mir selber ja auch einsammeln und dass mein ganzes Leben wie ich mir das aufgebaut habe in meinem kleinen Teenager-Kopf darauf aus ist, dass mir von außen jemand sagen muss, dass ich nicht einsamm bin Und das heißt, solange ich das bekomme.
00:00:35: Das ist die Sucht und wenn ich das bekommen, also mit welcher Substanz, mit welchen Menschen es am Ende irgendwie vollkommen wurscht... Manchmal ist es halt Essen und manchmal sind es Serien und dann gucken wir diese Serie für zehn Stunden weil man sich darin schön fliehen kann dass man nicht einsam
00:00:53: ist.
00:00:55: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sober Art.
00:00:59: Mein Name ist Linda Fress, und dieser Podcast soll dich zur Mehrfreiheit in deiner Beziehung zum Alkohol inspirieren!
00:01:06: Hier geht es um Selbstwirksamkeit, Kreativität... und die Rolle von Alkohol im persönlichen und gesellschaftlichen
00:01:13: Kontext.
00:01:14: Und heute habe ich Fladi zu Gast im Podcast!
00:01:17: Fladi ist Mitte-Dreißig, Künstler und hat Die Lemonade Queers gegründet – eine queere Soberveranstaltungsreihe in Berlin.
00:01:24: Fladi und Ich haben uns letztes Jahr beim ersten deutschen Recovery Walk kennengelernt wo ich mit meiner Band aufgetreten bin und Die Lemonate Queers ihre Show gemacht haben.
00:01:34: Es war so super
00:01:35: toll
00:01:36: und heute sprechen wir uns wieder.
00:01:38: Das ist eine Doppelfolge, weil wir einfach so lange quatscht haben über so viele spannende Themen die wir euch auf gar keinen Fall veranthalten möchten.
00:01:48: Heute sprechen wir über die queere Community, über Partys, Droben und Sex.
00:01:53: Wir sprechen über die Veranstaltungsbranche!
00:01:56: Wir sprechen darüber wie es ist mit dem Trinken aufzuhören und wieder anzufangen.
00:02:06: Themen und das ist erst Part eins.
00:02:08: Part zwei kommt nächste Woche Donnerstag, ich freue mich so dass du da bist und wir wünschen dir jetzt ganz viel Spaß mit dieser Folge.
00:02:17: Hey Fladi herzlich willkommen im Podcast.
00:02:20: Hallo
00:02:21: vielen Dank für die Einladung.
00:02:23: Ja danke für deine Zeit.
00:02:24: Wir haben uns das letzte Mal beim Recovery Walk bzw auf der Afterpartien in Leipzig kennengelernt und getroffen.
00:02:33: Da wart ihr mit den Lemonade Queers.
00:02:35: Genau, da waren wir mit The Lemonade Queers angekommen in Leipzig.
00:02:39: Dann sind wir direkt zum Recovery Walk und dann hat die Moderation angefangen.
00:02:42: Da musste ich direkt wieder ins Taxi weiter, dann sind wir zur Location gefahren und dann hatten wir irgendwie eineinhalb Stunden Zeit es vorzubereiten und dann war die Show ein wilder Tag.
00:02:55: Es war ein wildter Tag.
00:02:56: Ja ja Wir haben ja auch mit der Band dort gespielt und das war echt eine gute Stimmung!
00:03:01: Es hat echt Spaß gemacht Eine gute Erfahrung.
00:03:04: Es war die erste Sauberparty, auf der wir gespielt haben.
00:03:07: Ich glaube, wir müssen kurz die Leute abholen.
00:03:09: Kein Mensch kennt sich aus.
00:03:12: Der Recovery Walk hat zum ersten Mal letztes Jahr stattgefunden.
00:03:17: von Recovery.v
00:03:19: Findet in diesem Jahr auch wieder Stadt?
00:03:20: Kann
00:03:22: man direkt Werbung machen?
00:03:23: In Düsseldorf Ja, bist du da?
00:03:28: Ich habe noch keine Ahnung ob ich da arbeite oder nicht.
00:03:33: Oh, jetzt vom Recovery Work selber habe ich noch nichts gehört.
00:03:37: Ich weiß auch noch nichts von daher... ...ich weiß nicht wann der Termin ist, muss ich nochmal gucken.
00:03:43: Und zwölften auch glaube ich?
00:03:44: Zwölfter September?
00:03:45: Ja da bin ich leider wahrscheinlich in den Proben, da kann ich das so... ...muss ich immer wieder spontan gucken.
00:03:50: Jetzt müssen wir ganz viele Sachen klären.
00:03:52: Was ist der Recovery Walk?
00:03:53: Jetzt stecken mir drin, das wäre jetzt ganz ungeplant hier!
00:03:55: Der Recovery Walk ist ein Walk für die Sichtbarkeit für Betroffene von Sucht oder Angehörige von suchtabhängigen.
00:04:03: Es geht um Mikroholsucht und es geht um Endstigmatisierung.
00:04:07: Und da findet ein großer Demozug walk.
00:04:12: Ein stolzer Walk eine Party auch ein bisschen durch die Stadt Stadt mit Reden und verschiedenen Menschen, die dort irgendwie auftreten.
00:04:21: Das ist einfach ein nettes Zusammenkommen der Community.
00:04:24: Und du hast letztes Jahr mit den Lemonade-Queers eben wie gesagt aufgetreten.
00:04:30: Wer sind die Lemonade Queers?
00:04:32: Magst Du das einmal kurz erzählen?
00:04:34: Die Lemonade queers sind die also gut mittlerweile sind wir gerade gar nichts weil wir keine Förderung bekommen haben.
00:04:40: aber Wir waren mal die einzige regelmäßige Queere Party für nüchterne Leute oder beziehungsweise die einzige regelmäßige Partie wo kein Alkohol ausgeschenkt und keine Drogen genommen wurden, die im Schwurz stattgefunden hat.
00:04:56: Wo ist das Schwurzz?
00:04:57: Das Schwurzt ist in Berlin gewesen aber jetzt wird es ja auch leider zugemacht.
00:05:02: ich meine man muss auch über Partikultur sprechen.
00:05:05: leute gehen weniger feiern.
00:05:06: feiern ist teurer geworden.
00:05:09: Zu der Zeit, wo ich nach Berlin gezogen bin in den Jahr zwölf haben die Eintritte fünf Euro gekostet und da konntest du mit zwanzig Euro eigentlich ganz gut durch das ganze Wochenende kommen wenn du Leute kennengelernt hast was ausgegeben haben.
00:05:24: Mittlerweile zahlst du fünfundzwanzig euro Eintritt als das Doppelte für die Getränke.
00:05:35: was auch immer man so in Berlin noch nimmt, ist auch alles teurer geworden.
00:05:39: Und ich glaube das nach Corona die Leute einfach gemerkt haben es gibt noch ein bisschen mehr als ausgehen.
00:05:47: gleichzeitig ist halt alles teuerer geworden.
00:05:49: Das heißt man hat nicht mehr so viel Geld zum Ausgehen wenn man fünf und zwanzig Euro pro Abend Eintritt sein muss.
00:05:55: Ja sind wie genauso.
00:05:56: Sind dieselben Preise
00:05:58: ja.
00:05:59: Was früher anders in Wien?
00:06:01: Ja, also teuer war so zwölf Euro oder so.
00:06:06: Das war dann schon der Fancy Club mit einem Super-Eck, der DJ, der da irgendwie in Röhrflogen
00:06:11: kam.
00:06:12: Ich kenne das Berghain noch von acht Euro.
00:06:15: Zumal acht Euro Eintritt gekostet, zumindest an dem einen Freitag wo ich mal da war, im Jahr zwei Tausendzehn und jetzt sind es halt irgendwie glaube ich fünfundzwanzig Euro und dann wieder fünf Euro Reentry wenn du rausgehst Also ganz andere Verhältnisse.
00:06:32: Hat es auch was mit, dass die Leute weniger konsumieren und trinken und generell weniger ausgefreudigt sind?
00:06:39: oder einfach jetzt mit der finanziellen Krise in denen scheinbar alle stecken?
00:06:45: Also ich glaube die neue Generation geht auf jeden Fall anders feiern als meine Generation.
00:06:50: Dazu gibt es auch Zahlen.
00:06:51: das tatsächlich so also jetzt so die Jugendlichen machen eher Home Parties trinken generell eher weniger.
00:06:57: Ja, vor allem weil auch viel Diskurs um Consent ist und um all den ganzen Sachen mit Me Too.
00:07:04: Und auch in der Queeren-Community wurde zum Beispiel GHB ja irgendwann von den Clubs verboten, weil die Typen sich halt einfach auf GHB so scheiße Verhalten haben.
00:07:15: Und ich glaube das die neue Generation da einfach viel mehr Selbstbewusstsein hat und auch viel mehr selbst Vertrauen hat dass man sich nicht mehr alles... Ich würde mal sagen geben muss.
00:07:28: Ich weiß, ich bin halt überall lang gelaufen oder hingelaufene Wahrheit so... Ich gehör hierhin!
00:07:34: Ich muss hier sein!
00:07:35: Es gibt sonst keinen anderen Ort für mich und das waren ja oft die Queerspaces oder Gayspaces.
00:07:41: Und ich glaube mittlerweile ist es alles ein bisschen entspannter geworden.
00:07:44: Die Leute müssen nicht mehr unbedingt irgendwo hingehören weil sie von Natur aus schon, wissen Sie gehören in die Welt plus minus natürlich queere Menschen und auch manganisierte Gruppen immer noch schwieriger aber es ist auf jeden Fall alles offener geworden.
00:07:59: Und ich glaube man hat dann ein bisschen mehr Selbstvertrauen für sich einzustehen.
00:08:04: und dass man halt eben nicht sagt so okay ich gehe in den Gay Club und ich bin zwanzig Jahre alt und das mir jeder irgendwo hingrabscht ist vollkommen normal.
00:08:13: Nicht nur normal sondern das ist doch Bestätigung für mich.
00:08:16: War das in dem Gay Club?
00:08:18: Ja!
00:08:19: ist immer noch so teilweise klar, also ich würde sagen in Berlin nochmal anders als in Hannover.
00:08:27: In Hannover habe ich das jetzt so schlimm oder so extrem nicht erlebt aber in Berlin es ist halt schon so gewesen auf jeden Fall dass man ausgegangen ist mit der Intention auch was mit jemandem zu haben und Wenn man dann was getrunken oder konsumiert hat, dann war man grundsätzlich auch sehr forsch.
00:08:52: Das war aber auch okay.
00:08:55: Also... Naja wenn jemand neigesagt hat, hat man das nicht neigesacht.
00:08:58: also es ist aber... Warum
00:08:59: ist das so?
00:09:00: Als ich jugendlich war da waren wir viel unterwegs weil Freunde eben gay waren und queer waren wird man heute natürlich sagen ja und das war mir auch da schon immer aufgefallen dass es einfach wahnsinnig viel sexueller zugeht also mehr so obvious weiß gar nicht, ob es eigentlich wirklich einfach nur mehr herausgekehrt wird.
00:09:22: Das wird natürlich auch ich kann das gut verstehen hinsichtlich darauf dass man ja auch mehr Unterdrückung, mehr Diskriminierung erfährt als homosexuelle Person, dass man dann wahrscheinlich die Lust hat auch das zu feiern und das zu zeigen und das ist alles total logisch und offensichtlich gibt's noch einen anderen Grund warum solche Situationen einfach so Gang gebe waren, wie du sie beschrieben hast.
00:09:50: Was man einfach so hardcore angegrabst wird eigentlich übergriffiges Verhalten?
00:09:54: Ja also ich glaube wenn man sich halt in dieses Spaces begibt dann weiß man ungefähr worauf man sich da einlässt.
00:10:01: und Ich glaube bei Männern speziell ist es ja auch so dass Also Männer sind ja sozialisiert als Männer.
00:10:12: So, und da sind ja Emotions jetzt nicht unbedingt die Nummer eins auf die man guckt.
00:10:18: Sondern wie gehen Männer mit Emotionen oft um?
00:10:21: Und das ist halt entweder Sex oder Aggressionen... ...oder Isolation.
00:10:28: Und bei Homosexuellen in meinen anderen ist es halt Sex.
00:10:32: Wenn man lange Zeit ungeoutet war und dann in die Gay-Community kommt und irgendwo glaube ich hat.
00:10:41: Ich kann nur von mir sprechen, aber ich weiß von ganz vielen anderen auch.
00:10:45: Man kommt in die Gay-Community und man hat das Gefühl... ...man kommt in eine Welt rein wo du akzeptiert wirst oder vielleicht halt findest und eine Liebe findest Und all diese Sachen die man in der Pubertät nicht hatte weil man da ja relativ isoliert war wenn man ungehautet war.
00:11:03: Und dann kommt man in die gay community rein völlig überladen mit Sex und man wird als frisch Fleisch gesehen, so wirst du ja auch dann genannt.
00:11:13: Und ich wurde hier in Hannover jetzt auch schon auf das Frischfleisch genannt weil ich neu in Hannova bin.
00:11:18: Das ist die Sprache, die wir benutzen.
00:11:21: Genau!
00:11:21: Dann merkt man halt so okay... Ich war achtzehn, siebzehn?
00:11:26: Also sehr jung und hatte natürlich Kontakt mit viel viel älteren Herren die dann meine Sicht auch wieder rumgeprägt haben, weil ich halt... Also ich habe nichts anderes bekommen in dem Moment als ich in diesen Wars war.
00:11:44: Als hauptsächlich Sex, weil da natürlich auch Sex nur gesucht wird und dann noch oft im Darkroom, dann wird es alles dunkel und geheim und keiner darf's wissen.
00:11:53: also da ist ja auch viel mit Charme verbunden.
00:11:58: Und ja, das spielen ganz viele Aspekte mit, wie eben die Zeit des ungeouted Seins.
00:12:08: Die Zeit der Isolation und ich würde sagen dass man das viele Schule.
00:12:14: Männer haben halt schon echt Probleme Intimität zuzulassen weil sie eben nicht in der Pubertät gelernt haben oder auch früher vielleicht dass sie liebenswert sind und okay ist einfach nur sich emotional zu öffnen.
00:12:28: Das wird ganz vielen sehr schwer.
00:12:32: ist es halt eine Szene, die von Party und Sex und Champssex und Drugs usw.
00:12:37: lebt.
00:12:39: Und wenn man sich in diese Szene begibt kann man da ziemlich schnell auch praktisch reingezogen werden weil man ist jung meines Frisch jeder will ein und wenn man zumindest keine Liebe findet dann findet man zumindest Bestätigung.
00:12:52: so
00:12:52: Welchen Zusammenhang siehst du dazwischen zwischen Alkohol und Sex bzw welche Funktionen haben Drogen?
00:13:02: innerhalb dieser Community?
00:13:04: Wände abzubauen.
00:13:05: Die ganzen Worte, die man sich über die Jahrzehnte aufgebaut hat ist natürlich viel einfacher und vor allem also zumindest wissenschaftlich gesehen es ist so dass die Gays mehr Drogen konsumieren und die lässt mehr Alkohol konsumierend.
00:13:27: Weißt du warum das so ist?
00:13:29: Naja weil Gay ist halt viel auf Champsex-Part, also der ganze...
00:13:34: Was sind das?
00:13:35: Sex auf Drogen.
00:13:37: Sex auf Drogen, okay.
00:13:38: Sex
00:13:38: off Drogen, vierundzwanzig Stunden, achtundvierzig Stunden.
00:13:43: Also dieses Ganze in die Länge gezogene
00:13:47: Performance eigentlich oder?
00:13:49: Also eigentlich Leistung.
00:13:50: Eigentlich geht es um Leistung und jetzt auch um Spaß.
00:13:54: Unterstelle ich das gerade?
00:13:54: Nee, ich glaube tatsächlich, dass es sich um Leistungen geht.
00:13:56: Es geht eher so um Flüchten.
00:13:59: Also man begibt sich raus aus der Realität in dieses Vakuum an zwei bis zwanzig Leuten, gibt ja auch die ganzen... also es gibt auch Gruppenpartys und so weiter und sofort.
00:14:13: Und man begippt sich in dieses vakuum und kann für eine bestimmte Zeit lang, wenn das gut läuft abschalten und meist, also oft läuft es nicht gut.
00:14:25: Und dann hat man Schwierigkeiten weil irgendwer irgendwas zu viel genommen hat oder das ist irgendwie komisch und keiner sich wohl Aber so.
00:14:34: Also escape und gleichzeitig Verbindung Weil weil man sich glaube ich mit der welt Nein weil man Sich Mit sich selber Nicht verbunden fühlt und damit halt auch oft mit der Welt nicht sehr verbunden Fühlt und dieses Drogen nehmen und ein Nack dabei sein.
00:14:55: Auf einmal ist man viel intimer miteinander als wenn man nüchtern miteinander Sex hat, das ist ja bei Gaze auch eine ganz schwierige Sache teilweise.
00:15:06: Dann hat man wirklich das Gefühl von okay ich habe mich gerade hier mit einem Menschen verbunden.
00:15:11: dann sieht man die weiß nie wieder.
00:15:12: aber für den Moment
00:15:17: Welche Funktion hatte Alkohol?
00:15:20: für dich in diesem Zusammenhang genau denselben, den du gerade beschrieben hast?
00:15:26: Ja also ich glaub das hat sich glaube ich auch so entwickelt.
00:15:29: Ich hab ziemlich früh angefangen.
00:15:30: Ich war sechzehn... Nee mit zwölf sogar schon irgendwann mal getrunken habe.
00:15:35: So richtig, so richtig angefangen oder war ich sehzehn?
00:15:39: und damals war es eigentlich nur so ein Weg um nicht in meine Haut zu stecken nicht ich selber sein wollte und ich wollte Momente haben, wo ich mich nicht mit mir selbst auseinandersetzen muss.
00:15:53: Und dann habe ich das immer so krass übertrieben, dass ich eigentlich fast immer einen Blackout hatte oder so.
00:15:58: Also ich hatte bestimmt zwei, drei, vierhundert Blackouts in meinem
00:16:01: Leben.
00:16:09: Wie bist du aufgewachsen?
00:16:11: Und wann kamst du das erste Mal in Kontakt mit Alkohol?
00:16:15: Ich bin aufgewachsene in NRW Acht Jahre Dortmund, acht Jahre Düsseldorf.
00:16:21: Ich bin das erste Mal in Kontakt mit, also wir sind eine Familie geflüchteter russischer Juden auf der Oster-Soviet Union.
00:16:31: Meine Familie ist dann, fünfundneunzig von Usbekistan nach Dortmund gekommen beziehungsweise erst mal unter Massen in so einem Flüchtlingsheim.
00:16:39: und genau da bin ich in Dortmund aufgewachsen ziemlich streng erzogen und ziemlich emotionless erzogen Und meine Mutter ist sehr früh gestorben.
00:16:46: Das hat mit der Familie ein bisschen was gemacht Genau.
00:16:50: und dann war ich auf einer Schule in Dortmund, die... also ich weiß nicht ob das jetzt sehr weiterentwickelt war für die Schule oder nicht.
00:16:58: Aber in der siebten Klasse hatten auf jeden Fall schon fast viele Sex.
00:17:04: Also es waren so zwölf.
00:17:07: Und haben gefeiert.
00:17:10: Das ist sehr früh!
00:17:11: Ich war auch in einem Freundeskreis wo das sehr früh war aber ich glaube der Schnitt ist über viele Generationen schon so sechzehn
00:17:20: Ja, also nicht in unserem Gymnasium.
00:17:23: Die war sehr weit entwickelt und haben dann halt auch so Partys geschmissen wo ich nie eingeladen war aber weil ich einfach nicht durfte von zu Hause aus.
00:17:36: Aber es gab dann halt so Alkopops und dann haben sie immer am Montag erzählt wie besoffen Sie am Samstag waren Und ich hatte tatsächlich ein paar Freunde, die waren älter.
00:17:47: Die waren so vierzehn und sechzehn plus aus einer Siedlung, wo ich gewohnt habe in Dortmund.
00:17:54: Mit denen sind wir dann zum Supermarkt gegangen und haben uns Alkopops geholt.
00:18:00: Dann haben wir wahrscheinlich zwölf mal in einem Garten zu viert Alkpopops getrunken und fanden das richtig cool!
00:18:12: Ich war halt so, ich bin genauso cool wie die Leute aus der Schule aber mit anderen Leuten und sie sind älter als ich.
00:18:17: Und ich bin richtig cool!
00:18:19: Das ist also das erste Mal und dann ging es so... Also bis ich fünfzehn war, war da lange Zeit nichts weil ich danach Düsseldorf gezogen bin und da eine sehr schlechte Erfahrung in der Schule gemacht habe einfach intensiv gemobbt wurde und keine Freunde hatte.
00:18:43: Und eine Nervenzusammenbruch hatte, also es ging wirklich von gehundert auf runter.
00:18:50: Dann habe ich irgendwann die Schule gewechselt und da hatte ich dann wieder Freunde.
00:18:53: Ab da habe ich gesagt, ich werde der coolste Typ der
00:18:55: Stadt.".
00:18:56: Du hast das offensichtlich umgesetzt?
00:18:58: Dankeschön!
00:19:01: Mobbing ist ganz
00:19:02: übel.
00:19:03: Ganz, ganz, ganz übel.
00:19:05: Tut mir leid dass du diese Erfahrung machen musstest.
00:19:08: Hat das eine Auswirkung gehabt auf deinen Alkoholkonsum oder mal überhaupt dein emotionales Empfinden?
00:19:16: Was war so die Hauptemotion dieser Zeit, in der du da in der neuen Schule gemobbt wurdest.
00:19:24: Also genau ich würde auch gerne mal sagen... Ich finde Mobbing ist so eines der schlimmsten Sachen, die eine Menschen passieren kann und wir leben ja leider Gottes innerzeit des Online-Mobbings wo so viele Leute hast Kommentare und ein schlimmeres bekommen, wo ich wirklich noch mal appellieren würde zu sagen so hey bevor man irgendwas schlechtes zu den menschen sagt So überlegt mal ob es wirklich sein muss.
00:19:53: selbst wenn wenn einem irgendetwas nicht gefällt was in diesem podcast oder in irgendeinem podcasts gesagt wird wie kommunizierst du das?
00:20:02: Was will man damit erreichen?
00:20:04: Also es ist ein Mobbing, das macht wirklich viel mit den Menschen und das begleitet die Menschen am Ende des Tages ein ganzes Leben.
00:20:12: Es gibt fast keinen der sich von diesem Mobbing irgendwie befreien kann, denen ich kenne selbst in hohem, hohem Alter sind Leute weiterhin irgendwie davon, die nehmen das mit.
00:20:26: Und bei mir war's halt Angst
00:20:27: Angst in die Schule zu gehen.
00:20:29: Ja, bei mir war es komplizierter weil ich hatte Angst in die Schule zu gehen und parallel hatte ich auch Angst nach Hause zu gehen.
00:20:34: Weil im Haus hat aufgewachsen werden wo es hauptsächlich um Noten ging und wenn ich keine gute Note mitgebracht habe dann gab's halt Ärger und eine gute Note war halt nur eins und zwei plus war halt keine gute note mehr.
00:20:52: und ja das war sehr streng.
00:20:56: und das heißt aber wenn ich in der Schule mich gemeldet habe, dann wurde ich gemobbt.
00:21:02: Und dann war es halt so okay, wenn ich mich in der Schule melde, dann werde ich gemoppt.
00:21:08: Wenn ich mich nicht melde dann kriege ich Ärger zu Hause weil ich eine drei bekomme im Münchelich oder irgendwie sowas.
00:21:14: Das heißt also von der achten Klasse bis zur elften Klasse habe ich eigentlich drei Jahre lang Dauerzustand in Angst gelebt und in Isolation.
00:21:29: Furchtbar, das ist ganz, ganz schlimm.
00:21:35: also weil du ja überhaupt gar keinen Ort der Sicherheit hattest und es einfach auch permanent eigentlich um deine Leistung geht.
00:21:43: Also Indien muss sich ja ganz stark das Gefühl manifestiert haben ich bin nicht gut genug.
00:21:51: Genau!
00:21:53: Ich bin da eigentlich nur gut wenn ich die beste Leistung bringe Eine Note gut ist ja nicht mal gut genug, offensichtlich.
00:22:01: Das ist ja auch einfach extrem... Es macht ja ganz viel mit einem Kind oder mit einem Jugendlichen und in der Schule bin ich auch nicht gut genug weil ich gehöre nicht dazu.
00:22:13: Sind das Gefühle die dich heute auch noch begleiten?
00:22:15: Oder hast du das ganz gut verarbeiten können?
00:22:17: Einhundert Prozent begleitet mich immer noch.
00:22:20: Ich meine ich bin jetzt gerade in einer neuen Stadt an Hofer Und vorher hatte ich das... Die einzige Stadt, wo ich es nicht hatte war tatsächlich Berlin.
00:22:32: Muss ich tatsächlich sagen?
00:22:33: Also Berlin war bisher immer die Stadt, bei der ich zumindest zu Beginn nicht das Gefühl hatte, ich gehöre nicht dazu.
00:22:42: Berliner ist die erste Stadt, in der ich das Gefühl habe, also ich gehör dazu.
00:22:46: Ich bin da wo ich sein muss.
00:22:50: In den letzten Jahren ist Berlin.
00:22:52: dann hat sich das wieder so nach hinten entwickelt eben weil ich nüchtern geworden bin und ich gemerkt habe so oh nein, ich gehöre jetzt wirklich nicht dazu.
00:23:01: Und das triggert die Einsamkeit auf jeden Fall!
00:23:07: Jetzt in Hannover merke ich es auch ganz stark.
00:23:11: also the struggle bus is on the struggle.
00:23:23: Also nochmal kurz zum Abholen wann hast du angefangen Alkohol zu trinken mit zwölf?
00:23:28: Und du bist dann umgezogen, du hast die Schule erst mal gewechselt.
00:23:33: Du bist dann irgendwann nach Berlin gekommen und hast dich da total gefunden in der Party-Szene oder hast dich akzeptiert gefühlt.
00:23:40: In der Queerszene... Du hast wahrscheinlich viel getrunken und das was man in Berlin so tut, fügst wahrscheinlich ja, du nix!
00:23:53: Dann dich entschlossen Nüchtern zu werden, das kann wahrscheinlich nicht von heute auf morgen.
00:23:58: Magst du mal deinen Weg in die Nüchterneid-Schildern?
00:24:02: Ich fasse nochmal ein paar Sachen zusammen.
00:24:05: So ich war in Düsseldorfer ziemlich hart unterwegs schon auch in der Technoszene mit achtzehn, neunzehnt und die Leute haben gesagt so Du musst nach Berlin!
00:24:15: Du bist zu verrückt für DüsselDorf.
00:24:17: und ich war halt so.
00:24:18: Ok dann bin ich jetzt nach Berlin.
00:24:21: Genau, da war ich dann halt fünf Jahre und dann habe ich in London studiert.
00:24:25: Und da war Ich dann zwei Jahre.
00:24:27: Wie war London?
00:24:28: London ist ja auch eine Stadt wo Menschen wahnsinnig viel trinken oder?
00:24:32: In
00:24:32: London war krass!
00:24:33: London war noch krasser als Berlin von der Art und Weise wie Leute dort leben.
00:24:42: also ich dachte ich hätte alles gesehen weil nicht kam aus berlin ich hatte ein bisschen Arroganz usw.
00:24:49: England oder London.
00:24:50: speziell war es halt so, dass viele schon um neunzehn Uhr angefangen haben zu trinken und waren dann auch schon mitten Nacht hartkorb besoffen.
00:25:00: Und das kannte ich nicht weil wir haben angefangen um neundzehn und haben erst mal vorgeglüht bis vier Uhr fünf Uhr morgens, bis wir dann erst ausgegangen sind in die ganzen Technoschuppen.
00:25:14: Es gab's in London so Und deswegen hab ich mich da so ein bisschen... Ja, musste ich erst mal lange suchen bis ich ihn bei Leuten gefunden habe.
00:25:24: Die so einen ähnlichen Rhythmus hatten wie ich weil Ich wollte auch nicht um Mitternacht besoffen sein.
00:25:29: das war nicht so mein Ziel.
00:25:31: So und ich wollte halt schon so ein zwei Tage gehen wenn ich konnte am Wochenende.
00:25:37: Und die Gay Community in London war halt einfach noch härter als in Berlin und das habe ich nicht ganz erwartet.
00:25:43: Die waren also dass ich bin zweitausend nach London gezogen.
00:25:48: Das war das Jahr, wo auch die Doku auf YouTube rauskam.
00:25:53: Die hieß glaube ich Champsex der ging es halt um Crystal Meth in der gay Community und sollte halt glaub ich... Ich glaube sie war dafür gedacht dass sie so ein bisschen waren sollte was jetzt neu in der Gay Community passiert.
00:26:07: aber anstatt wirklich zu warnen hat es dazu geführt, dass viele Leute das angefangen haben auszuprobieren war es das erste Mal, dass ich dann gesehen habe.
00:26:17: Dass Leute... Also, dass sich bei Menschen waren die eine mega Loft oder ein megakrasses Haus.
00:26:26: also ich würde von echt wohlhabenden Menschen auch teilweise eingeladen zum Sex oder sonst was.
00:26:34: und dann hab' ich das erste mal gesehen, dass diese Glaspfeife geraucht haben und ist so halt schwarz unten am Boden und ich weiß auch Guys!
00:26:44: What is happening?
00:26:46: Ich dachte, wir ziehen ein bisschen oder so.
00:26:48: Aber ich hab mich schon irgendwie gefühlt als welchen so einem Drogenfilm schon fast weil ich das einfach noch nicht vorher gesehen habe.
00:27:00: und die waren dann auch sehr... wie kann man sagen?
00:27:06: Die haben nicht sehr aufeinander geachtet also die haben auch nicht wirklich gesagt ob sie noch jemanden eingeladen haben, ob jemand schon da ist was sie vorher gemacht haben, das wurde irgendwie alles nicht so ehrlich kommuniziert und das kannte ich aus Berlin gar nicht.
00:27:20: Hast du Crystal Math ausprobiert?
00:27:22: Ja klar!
00:27:23: Also ja... Das
00:27:25: heißt ja klar.
00:27:26: also... Wenn ihr
00:27:26: aus der Bermuditie kommt weil man in einer so tiefer Ankeit ist hat man abgestanden tatsächlich nicht in London sondern später erst aber...
00:27:34: Ich finde das nämlich spannend weil wir haben zu bestimmten Drogen eine Hemmschwelle auch weil geprägt sind, durch Geschichten die wir hören.
00:27:43: Wir sagen okay das ist ein absolutes Tabu.
00:27:47: also ich weiß mir wurde einmal in einem Club Heroin angeboten und da war ich obwohl ich sehr drüber war mit allem möglichen aber da weiß ich noch da bin ich sehr nüchtern geworden in dem Moment und natürlich auch weil hier aufgeklärt werden in der Schule.
00:28:03: jedes Kind muss wie Kinder vom Bahnhof zu glaube ich lesen.
00:28:08: Buch hat mich schwer erschockiert damals und es ist so interessant, dass wir eben mit Alkohol gar keine Hemschwelle haben.
00:28:16: Also zero zumindest in der Zeit wo wir aufgewachsen sind gab's das einfach überall Gang... Es ist ja sogar gut!
00:28:27: Das Gegenteil ist ja eigentlich total verdreht und pervers wie Alkohol verharmlost wird, obwohl es für die meisten Todesfälle verantwortlich ist.
00:28:37: Ich kenne jetzt Crystal Meth nicht so ins Detail wie was es anrichtet und natürlich auch eine illegale Droge
00:28:46: usw.,
00:28:47: deswegen ja auch nicht soweit verbreitet wie jetzt Alkohl.
00:28:50: aber dennoch total spannend dass du, weil du beschreibst ja auch das du so eine Hemmschwelle hattest und so ein wow krass Wow Krass Gefühl Aber dann dennoch Irgendwann auch ausprobiert hast.
00:29:08: Ich war in London und da war es halt, dass ich glaube ich war bei zwei oder drei Typen innerhalb eines Jahres die das gemacht haben vielleicht hier höchstens oder so fünf maximal aber das war immer so spät nachtsteil weil so nicht war.
00:29:26: okay gut sagen wir mal, The Worst of the Worst und so weiter.
00:29:34: Und passierte und musste sich jetzt auch nicht machen und es gab ja auch genug anderes und da war ich auch happy mit.
00:29:40: Und hatte da irgendwie noch eine Hemmschwelle.
00:29:41: und dann als ich in London durch war und dann bin ich wieder zurück nach Düsseldorf gezogen.
00:29:49: Also ich kannte die Gay-Szene in Düsseldov nicht weil ich so früh von DüsselDorf weggezogen bin aber ich habe jetzt DüsselDov nicht wirklich die Gay-Statt empfunden damals schon.
00:30:02: Und als ich dann angefangen habe, da irgendwie zumindest auch sexuelle Kontakte zu haben, hab' ich schon gemerkt zur Open und der raucht und der Raucht... Also alle haben auf einmal geraucht mit denen ich irgendwie sexuellen Kontakt in der Uhrzeit, in der ich den gesucht habe.
00:30:22: Crystal Mests geraucht muss man dazu sagen?
00:30:24: Genau!
00:30:25: Wenn sich
00:30:25: jetzt jemand fragt was geraucht.
00:30:27: Und dann war ich irgendwann mal an einem Punkt, wo ich mir dachte so ja gut wenn die machen muss es ja nicht kann's ja nicht so schlimm sein weil die sehen ja auch alle.
00:30:38: also das war ja auch ein bisschen.
00:30:40: man denkt man sieht halt diese Bilder und aber die sahen halt alle hot aus.
00:30:50: Das ist aber genau das Gleiche, was wir mit Alkohol haben.
00:30:54: Weil das Bild von einem Alkooliker, Alkohlikerin verändert sich jetzt auch – Gott sei Dank etwas!
00:31:00: Aber war ja immer die Person, die auf der Bank liegt und kein Job mehr hat und alles verloren hat.
00:31:05: Und es ist einfach so spannend wie diese ganzen Bilder um uns herum.
00:31:08: und was du beschreibst sind natürlich Bilder, die du mitbekommst von Menschen, die eine Substanz konsumieren, die einem ursprünglich mal Angst eingejagt oder zumindest großen Respekt.
00:31:18: Und dann gewöhnen wir uns aber so.
00:31:22: Dieser Gewöhnungseffekt tritt auch
00:31:24: ein!
00:31:24: Ich kann das so gut verstehen, mir ging es auch so als ich nach Wien kam und dann in einem Kreis gelandet bin auch wo mein Ex-Freund eben drin war die ganz vieles Zeugs konsumiert haben also Kokain darüber hinaus und ich am Anfang wahnsinnig Angst davor hatte weil es mir einfach schon mal von immer nein gesagt habe, aber auch nicht aus dieser Gruppe rausgegangen bin.
00:31:47: Ich hätte ja auch sagen können was seid ihr?
00:31:49: ich gehe jetzt irgendwie bin ich dort geblieben.
00:31:52: Es wurde oft viel getrunken also ich hab halt dann auch wahnsinnig viel getrumpt.
00:31:55: euch hatte Leute mit denen ich trinken kann und mir wurden's immer wieder angeboten immer wieder angeboten dann irgendwann wenn du da lange genug drin hängst ist da einfach niemand sicher von.
00:32:07: irgendwann sagt man halt Ja, in den meisten Fällen.
00:32:11: Und
00:32:11: bei mir waren aber auch Drogen bis auf ganz am Anfang, weil ich wollte unbedingt Drogen ausprobieren.
00:32:18: Das war so mein... das musste ich machen damit ich grübeln, hallo?
00:32:21: Ist da so in meinem Kopf drin!
00:32:23: Aber grundsätzlich war es nachdem ich nach Berlin gezogen bin habe ich glaube nicht ein.
00:32:29: also seltenst hab ich Drogen konsumiert ohne Alkohol und Alkos war immer so der Gate Weight und ich hab eigentlich nur konsumiert um einfach länger Spaß zu haben und länger von mir selbst irgendwie so länger diesen also diese ganze Angst- und Anspannung im Inneren, die ich so mit mir rum trage und getragen habe.
00:32:50: Dass sich die immer wieder beiseite schieben kann für so lange wie es geht Und dafür war Alkohol immer ganz gut.
00:32:58: Um erstmal sozusagen okay jetzt ist mir eigentlich auch ein Garten was passiert?
00:33:03: Und dann die Drogen um das solange wir möglich zu halten auch um die sexuellen Kontakte zu haben und die Intimität, die man sonst vielleicht nicht bekommen hat usw.
00:33:16: Aber das war so ein bisschen mein Prozess gewesen.
00:33:19: Ich habe mit achtzehn neunzehn viel Drogen konsumiert ohne Alkohol zu trinken.
00:33:27: So, ich hatte nur Geld für eines aber danach war es immer... weil ich auch da ein paar krasse Abstürze hatte, war dann immer so okay.
00:33:38: Ich brauche erst mal den Alkohol um genug irgendwie Sicherheit zu haben dass es alles gut wird.
00:33:44: und dann die Drogen.
00:33:49: Also beim Alkohl ging's halt auch mehr darum das sich mich wohlfühlen Und wenn es nicht der Alkuhol ist, dann ist es was anderes.
00:34:03: also ich habe das dann in meiner nüchternen Zeit gemerkt für mich persönlich.
00:34:08: Das findet ja jeder noch mal anders in seiner Journey und so weiter, aber bei mir persönlich geht es ja weniger um die Substanz und mehr darum dass ich irgendein Gefühl brauche.
00:34:24: Und wenn es nicht Alkohol war dann war's halt Essen.
00:34:28: Wenns nicht Sex war dann was halt Sex?
00:34:31: Und wenns nicht sex war dann waren es halt Dates!
00:34:37: Man kann irgendwie alles, ich kann mit allem kompensieren.
00:34:42: Total schön was du sagst weil es geht immer um Gefühle.
00:34:45: wir wollen ja immer ein bestimmtes Gefühl und es gibt viel Wissenschaft dazu dass wenn wir aber functionalisiert trinken also dieses Trinken umzu eben um Ängste abzubauen um lockerer zu sein um sich mehr fallen lassen zu können und weniger nachzudenken so halt diese Dinge die Du auch beschreibst führt das dazu dass wir schneller abhängig werden von Alkohol, weil unser Gehirn lernt es braucht einfach diese Substanz um bestehen zu können in einer Gesellschaft und einem Freundeskreis irgendwie akzeptiert zu werden oder sich selbst in bestimmten Situationen gut akzeptieren zu können.
00:35:23: Und das ist natürlich schon auch gefährlich und es ist schon auch noch mal was anderes als wenn ich sage Ja, ich trinke halt heute mal was.
00:35:33: Aber eigentlich könnte es auch sein lassen.
00:35:35: Ich meine ist immer die Frage warum man's dann auch macht.
00:35:37: aber es gibt ja so Genuss-Trinkerinnen... ...die irgendwie dann auch kein Problem entwickeln.
00:35:44: Wann hast du gemerkt dass du ein Problem mit Alkohol entwickelst?
00:35:50: Also ich glaub also so retrospectiv habe ich's glaube ich früher gemerkt als was sich normalerweise sagen würde.. ..aber wenn wir jetzt aus der Zeit gucken wo ich noch Schlau war, würde ich sagen.
00:36:03: Ich glaube, ich war achtundzwanzig und ich hatte ein Filmriss von zwölf Stunden und nach nach fünfhundert Filmerissen von sechs Stunden würde man jetzt auch sagen so naja gut weil das doppelte.
00:36:17: aber da war ich halt so moment zwölf Stunden, das geht gar nicht.
00:36:23: Alle anderen Blackouts von sechs Stunden waren okay aber zwölft Stunden da ich muss jetzt zur Therapie es geht nicht mehr.
00:36:30: und das war der Moment wo ich gemerkt habe so ok ich muss mal ganz kurz.
00:36:38: ich hab glaube ich ich habe nicht einmal gesagt ich muss aufhören jetzt komplett zu trinken oder so sondern ich habe erst mal zur Therapien
00:36:44: Ja das gemärkte ist eine Grenze für dich überschritten.
00:36:48: Genau, ich bin an einem Therapie gegangen.
00:36:50: Hab dann mein Erstgespräch gehabt ziemlich schnell und mir wurde dann gesagt obwohl ich mit einer Selbstanalyse schon dahin gekommen bin und ich gesagt habe so hier sind meine vier Säulen das und das und dass und das sind meine Themen.
00:37:04: es ist zwölf Stunden Blackout viele Blackouts in meinem Leben.
00:37:06: aber ich war auch sehr transparent.
00:37:08: also ich bin noch in solchen Gesprächen immer transparent weil was soll ich lügen Genau.
00:37:14: Und dann haben die mir gesagt, dass wir ziemlich schwer einen Therapeut hinzufinden weil ich keine... also weil es nicht urgent ist und also keine Dringlichkeit hat.
00:37:27: und ich war halt so okay.
00:37:30: oder habe ich ein hunderttherapeuten durchgerufen hatte elf Erstgespräche und hab dann eingefunden
00:37:36: Und dann warst du in der Gesprächstherapie?
00:37:37: Genau.
00:37:38: Ich habe als erstes Tiefenpsychologie, Tiefensychologische Therapie gemacht für... Also ich hab sehr viel Glück gehabt weil ich im Februar zwanzig-zwanzig angefangen habe und im März zwanzich-zwannzig Corona stattfand und für mich war das ein Abseits von dem ganz schlimmen
00:37:57: usw.,
00:37:57: aber für mich persönlich, für meine Weiterentwicklung hat mir Corona sehr viel weiter geholfen, weil ich eineinhalb Jahre komplett nur Therapie.
00:38:06: Ich hatte keine Ablenkung, ich hatte keinen Fomo.
00:38:10: Ich hatte nicht das Gefühl dass es mir so scheiße geht und anderen geht's so unglaublich viel gut oder besser sondern es ging allen schlecht aber halt eben auf jeweilige ihrer Art und Weise.
00:38:25: Und ich hatte dann einfach die Möglichkeit eineinhalb Jahre tiefempsychologisch betreut Therapie zu machen.
00:38:31: Dann war ich auch noch für zwei Monate in Gruppentherapie, für zwei Monate in der Klinik als Vorbereitung für meine Berlinszeit, weil ich ja wusste, ich ziehe auf jeden Fall nach Corona wieder nach Berlin und habe so viel an mir gearbeitet wie möglich hatte dann auch sehr lange Pausen wo ich gar nicht konsumiert hab in Corona, weil sowieso nichts passiert ist sich mit Leuten getroffen hat, um irgendwie draußen zu saufen oder so.
00:39:00: Weil ich bei meinem Papa gewohnt habe zu dem Zeitpunkt und natürlich sechs Monate wo ich gar nichts gemacht hab.
00:39:06: dann gab's im Sommer einen Fenster von einem Monat, da war ich auch in Berlin und hab wieder gefeiert usw.
00:39:12: Und dann hatte ich auch wieder sechs Monate, wo ich nichts gemacht habe und einfach nur Therapie gemacht
00:39:20: haben.
00:39:21: Es ist total spannend, dass diese Corona-Zeit, wo quasi alles stillgelegt wurde.
00:39:29: Ich kann das total gut nachfühlen.
00:39:33: Dass du da auch als im Hintergrund dessen, dass du ja auch immer so leistungsgeprägt warst eigentlich und genau da einfach überhaupt das erste Mal dieses Fenster hast von okay jetzt muss ich nicht leisten weil ich kann nichts leisten hier ist gerade alles dicht und zu Und jetzt kann ich mir die Zeit nehmen.
00:39:51: Also, jetzt erst kann ich mich diese Fürsorge geben... ...die ich eigentlich ja auch schon vorher benötigt hätte in Wahrheit weil du hast von so vielen Blackouts gesprochen und auch ja von einer schwierigen Jugend eigentlich.
00:40:08: Das allein würde ja schon reichen um zu sagen hey ich brauche, ich muss mir mal hier ein halbes Jahr Auszeit nehmen und mich auf meine mentale Gesundheit konzentrieren.
00:40:20: Manchmal braucht es dann erst so diesen äußeren Rahmen und sich innerlich diese Erlaubnis dann auch irgendwie zu geben.
00:40:40: Und das war halt schon, dass ich gearbeitet habe und ich hab was geleistet.
00:40:43: nur ich habe mich eben auf die Selbstarbeit konzentriert.
00:40:46: und was meines?
00:40:47: Ich habe jedes Buch gelesen, was ich darüber gefunden habe.
00:40:52: Alles über Nazismus alles über Depressionen alles über Angststörung alles über Gefühle.
00:40:58: ganz viele amerikanische Psychotherapeutinnen, die was geschrieben haben wie Brinny Brown und so weiter und sofort.
00:41:07: Ich habe alles gelesen.
00:41:08: ich hab ein ganzes Studium daraus gemacht.
00:41:11: Hans-Peter Röhr auch sehr gutes Buch zum Thema Nazismus und wirklich sehr viele Bücher zum Thema Emotions.
00:41:17: und was bedeutet Charme?
00:41:19: Und was bedeutet Feidatzigkeit und auch so die ganzen Basics?
00:41:23: Dialectic Behavioral Therapy habe ich in dem Buch zu komplett durchgehen.
00:41:26: Also wirklich alles!
00:41:27: Selbst für Bücher von und therapeutische Bücher, und so wissenschaftliche Bücher einfach in der Zeit gelesen und versucht zu verstehen.
00:41:38: was mit mir nicht stimmt.
00:41:40: Ja großartig, Wissen ist so toll und sich wissen an zu eignen und damit auch die eigene Geschichte zu verarbeiten und sich besser zu verstehen und auch zu merken hey ich bin Teil eines Systems Ich ticke so und so weil das und dass mir passiert ist Und es gibt anderen denen's genauso geht und es gibt Wörter dafür.
00:41:57: Das ist ja auch immer so total wichtig.
00:42:00: Es gibt eine Sprache dafür.
00:42:03: Es ist quasi Medizin, es hat was mit meinem Gehirn zu tun.
00:42:07: Ich spinne nicht komplett weil ich finde ganz oft wenn wir so in der Sucht stecken oder in Krisen das vorherrschende Gefühl ist ja auch so Einsamkeit und Ausgrenzung und das Gefühl zu haben man ist irgendwie so alleine niemand versteht ein Und dass wenn man dann darüber Literatur liest wo Menschen sich genau mit diesen Phänomen beschäftigen das extrem wohltuend und hilft einem all diese ganzen komplexen Prozesse besser zu begreifen.
00:42:33: Ich habe gerade noch rausgehört aus deiner Schilderung.
00:42:37: also du warst achtundzwanzig, du hattest diesen zwölf Stunden Argen Blackout der für dich eine Grenze überschritten hat, du hast dich entschieden eine Therapie zu machen.
00:42:48: was da total dahinter?
00:42:51: war es dann?
00:42:52: wie lange nüchtern?
00:42:53: Also ich habe es nicht als Nüchtern betrachtet, weil für mich das nicht das Ziel war.
00:42:57: Aber ich hab einfach sechs Monate zweimal hintereinander.
00:43:00: Ich hatte mit einem Monat Pause dazwischen aber ich hatte halt sechs Monate, da war ich nicht unterwegs und deswegen...
00:43:07: Warst du nicht unterwegs?
00:43:08: Und hast auch kein Alkohol getrunken?
00:43:09: Das ist einfach eher so natürlich passiert!
00:43:11: Genau ja, aber es war jetzt nicht mein Ziel für immer nüchternd zu werden oder sonst was.
00:43:18: Und ich hab halt einfach gesagt, was ich gesagt habe, ist immer ich mache eine Pause.
00:43:26: Und deswegen noch mal ganz kurz zum Thema zu zurückzukommen, wann ich merkte habe dass ich Hilfe brauche.
00:43:31: von meiner Perspektive jetzt ist wenn man das erste Mal sagt ich brauch eine Pause.
00:43:37: Das kam schon sehr sehr früh aber das ist halt so...wenn man immer regelmäßig sagt okay ich glaub' ich mach ne Pause.
00:43:44: Ich glaube', ich mache ne Pause jetzt so zwei Wochen nichts damit ich mir beweisen kann, dass ich zwei Wochen Das machen so viele Leute.
00:43:55: Ja, total klassisch!
00:43:58: Ich habe es mir schon mit vierzehn vorgenommen weniger zu trinken.
00:44:03: Es ist wirklich ganz klassisch.
00:44:04: Gleichzeitig finde ich trotzdem immer als eine Chance dass man dann vielleicht in dieser Zeit merkt Nüchternstein hat auch Vorteile und das liegt immer an der Perspektive.
00:44:17: also wie gehe ich da ran?
00:44:19: sage ich jetzt wirklich, ich brauche einfach nur eine Pause.
00:44:21: Damit ich es mir beweise und fieber eigentlich nur auf die Zeit danach oder merke ich auch und spüre und kann das zulassen welche großen Vorteile dann die Nüchternheit für mich bringt sind schon zwei paar Schuhe und ist schön wenn das eine geht dann doch noch mit dazu kommt
00:44:38: genau bei mir hat's ja noch vier jahrelang gedauert bis ich da entschieden habe nüchter zu werden.
00:44:43: aber
00:44:45: Wie war das dann, als du wieder angefangen hast zu feiern?
00:44:49: Bist du wieder Feierengang, bist du auf Quere-Partys gegangen.
00:44:52: Wie war nach dieser Zeit mit dir selbst und diese tiefe Auseinandersetzung mit dir... wie war es so in die Partywelt einzusteigen und wieder zu trinken?
00:45:05: Hast du auch konsumiert?
00:45:08: Und ja also ich sag mal so, als jemand der öfter Pausen gemacht hat und jetzt, wenn wir auch über meine Nüchter dann sprechen das haben wir im Vorfeld auch besprochen dass ich auch manchmal wieder ausgestiegen bin usw.
00:45:23: Da kommen wir noch zu.
00:45:24: aber Ich weiß auf jeden Fall zu Ja in den meisten Fällen ist Wenn man wieder einsteigt Dann geht man noch härter.
00:45:33: Jetzt wenn ich es ordentlich mitzähle Ab dem Zeitpunkt wo ich mich wirklich so erinnern kann also ich wirklich angefangen habe fünfzehn-sechzehn sind das jetzt mittlerweile zwanzig Jahre.
00:45:44: Also ich bin jetzt fünfunddreißig, mal so neunzehn.
00:45:48: Und das heißt jedes egal wann man dahin zurückkommt es fühlt sich an als wäre das total normal und ich habe leider auch nie einen Kater.
00:46:00: Blöd!
00:46:01: Weil dann viel schlechter morgen und ich vertrag wenn ich irgendwie in einem Jahr eben da sechs Monate Pause nicht getrunken hab immer noch genausoviel Keine Ahnung, mit einer guten Freundin die vier, fünf Flaschen Sekt trinken und danach noch halbwegs nach Hause kommen.
00:46:20: Also es war sehr natürlich... Ich bin dann halt nach Berlin gezogen und mein Ziel in Berlin war es dann halt in dieser zweiten Runde Berlin, die ich dann hatte kreativ zu arbeiten, so viel wie ich kann und so viele neue Leute kennenzulernen.
00:46:38: Und mein neues Ich, welches ich in Therapie erarbeitet habe.
00:46:42: Soviel Leuten wie möglich zu präsentieren und das hat mich dann unter sehr viel Druck und Stress gesetzt und deswegen ist der Trott wieder losgegangen.
00:46:51: Das mit Alkohol wieder gut funktionieren zu können und den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden?
00:46:58: Bei mir ist es halt immer wieder... Es ist immer wieder so, je mehr Leute ich kenne, desto cooler fühle ich mich.
00:47:06: Je mehr Menschen ich begegne, destohler habe ich das Gefühl, dass ich Teil von der Gesellschaft bin.
00:47:12: aber wenn ich nach Hause komme, führe ich mich ja trotzdem allein.
00:47:17: Also es ist immer ein stetiger Trott in dem man sich immer wieder befindet.
00:47:25: und genau also ich bin dann wieder richtig eingestiegen.
00:47:28: Ich hab eine eigene Produktion gemacht im Theater die ich alleine gemacht habe und mich sehr viel, sehr viel Stress gekostet hat über so fünf bis sechs Monate.
00:47:42: Und ich hab dann irgendwann, hab' ich nur noch gedacht... Ich mach jetzt also wir haben das irgendwie sechs Mal gespielt und ich dachte mir halt so okay am dreißigsten Juli spielen wir das letzte mal und dann schießt sich mich richtig hart ab.
00:48:03: Also es war für mich schon ganz klar und deswegen aber schon im April oder Mai dieser Gedanke ging halt so weiter, dass ich einfach wusste.
00:48:11: Ich schaffte diese Zeit die ich jetzt gerade habe nicht ohne mich regelmäßig irgendwie noch zu betäuben Und da ging's dann aber auch los das ich irgendwie in Berlin wieder nach Bankenkeland hab und die hatten alles das krasseste Ding und das härteste ding und dann war ich ja auch schnell bei eben auch Crystal Meth usw.
00:48:29: im Rauchen.
00:48:34: Also ich konnte durch die durch die andere Therapie, konnte ich auf mich so von oben her abgucken und sehen so okay da ist jemand der struggled.
00:48:42: Und das muss man ändern.
00:48:44: aber das können wir jetzt gerade nicht ändern.
00:48:46: also warten wie bis der struggle vorbei ist.
00:48:48: ja glaubst du dass erst die richtige also dass der richtige zeit kommen muss um nüchtern zu werden vielleicht für menschen die gerade zuhören auch noch kämpfen ein bisschen eigentlich wissen Das ist der richtige Weg.
00:49:03: Ich sollte den Alkohol sein lassen, aber der Zeitpunkt ergibt sich nicht.
00:49:09: Es kommt nicht richtig dazu.
00:49:10: oder denkst du das der optimale Zeitpunkt sowieso nie kommt und dass man es einfach angehen sollte?
00:49:16: Ich glaube immer muss es einfach angehen.
00:49:19: Aber ich glaube auch, also ich finde beides hat seine Berechtigung.
00:49:28: wenn man auf die perfekte Welle wartet, verpasst man alle Wellen.
00:49:31: Dann kommt man nieder hin und das hatte ich auch für Jahre lang, wo ich dann war so okay noch nicht mal gucken irgendwie später.
00:49:39: aber gleichzeitig ist es halt auch so dass es schon.
00:49:45: also man darf halt nicht vergessen so die Leute die halt viel konsumieren und das um ihre Gefühle und so oder sie können also wenn wir's machen könnten anders mit unseren Emotionen umzugehen, anders erwählt den Menschen zu begegnen.
00:50:01: Dann würden das die meisten wahrscheinlich machen.
00:50:03: so und es heißt wenn du gerade in einer Situation steckst wo du merkst okay damit kann ich grade gar nicht umgehen ohne dass.
00:50:13: also dann muss man doch auf das Level auch gucken wie sehr man sich irgendwie in diese ganze Welt begibt.
00:50:20: aber bei mir war's halt schon sehr grenzwertig in dem Zustand war.
00:50:25: Also ich war halt schon, mir ging's nicht gut so und ich wusste aber trotzdem, ich muss es jetzt irgendwie bis dahin durchhalten ansonsten kanns nicht anders lösen.
00:50:35: gerade
00:50:36: Es braucht Raum auch.
00:50:38: also du bist ja in deiner Produktion gesteckt Du hattest den ärgsten Stress Du hattest dort diese Produktion, die du am Laufen gehalten hast.
00:50:49: Du wusstest da ist die letzte Aufführung von diesem Stück und wusst es.
00:50:55: danach habe ich Raum.
00:50:57: Ich kann mich darauf konzentrieren Und auch die Kapazitäten mich meiner Nüchternheit zu widmen.
00:51:05: Beides auf einmal wäre einfach zu viel gewesen.
00:51:08: Und das ist auch noch mal was anderes, als wenn ich jetzt keine Ahnung... Wenn ich in Corona zum Beispiel gesagt habe, ich mache eine Pause.
00:51:16: Dann hatte das weniger Bedeutung.
00:51:21: Ja und ich hab so viele Pausen gemacht in meinem Leben.
00:51:26: Was soll?
00:51:26: Was ist schon ne Pause so gesehen?
00:51:29: Aber es hatte noch mal eine andere Bedeutung, dass ich wusste so okay.
00:51:32: Ich muss das für einen längeren Zeitraum auf jeden Fall erst einmal... Also ich habe nie gesagt für immer aber immer gesagt für einen langen, langen Zeitraum erstmal lassen und bei mir hat das funktioniert.
00:51:45: Ich finde es immer sehr schwierig von seinen eigenen Erfahrungen also für andere zu sprechen, weil ich doch gemerkt habe jetzt auch in meiner sobriety journey dass alle jeder hat so eine eigene erfahrung mit dem ganzen thema und klar sucht man immer nach ratschlägen.
00:52:09: aber ich glaube der wichtigste schritt ist das man nach ratschläge sucht.
00:52:15: Und dass man sich dann für seinen eigenen weg entscheidet.
00:52:21: Auch das ist wieder mein persönliches Ding.
00:52:24: Es gibt auch sehr tolle Gruppen, auch in Berlin die AAs und NAs und mittlerweile in Berlin tatsächlich noch mehr, die vielleicht nicht unbedingt nach so einem festen Programm arbeiten glaube ich Und für manche Leute hilft das Das sind supertolle Gruppe und voll legitim.
00:52:45: Bei mir war es halt so... Ich bin immer sehr anders individuell gewesen, ich muss immer mein eigenes Ding machen.
00:52:55: Ich bin total bei dir!
00:52:56: Ich kann das absolut unterschreiben.
00:52:58: für manche ist es und für mich war's auch einfach ein ganz großer Befreiungsschlag dass ich das gar nicht mehr als Option in meinem Kopf habe.
00:53:07: Also so, ich habe eine Finale verstanden.
00:53:09: Alkohol und ich funktioniert nicht und jetzt lasse ich das gehen und ich muss es auch nicht immer wieder verhandeln weil auch das kostet natürlich immens Energie.
00:53:18: Immer wieder sich zu überlegen ja jetzt darf ich oder nicht?
00:53:20: Und wie lange?
00:53:21: Gleichzeitig!
00:53:23: Das ist vielleicht auch ein bisschen ambivalent sag' ich mir schon auch dieses Wort für immer nicht schrägt mich auch etwas ab, weil es so erfolgslos ist.
00:53:32: Weil wir ja nie wissen... dann weißt du erst am Ende deines Lebens das du Erfolg hattest.
00:53:38: Deshalb ist es total gut dieses Gefühl zu haben.
00:53:41: Es ist meine freie Entscheidung das jetzt auszuklammern.
00:53:45: und gleichzeitig ich möchte nicht trinken und wenn ich trinken möchte dann trinke ich wieder.
00:53:49: aber der Achtung was heißt so wirklich trinken wollen da muss man auch ein bisschen aufpassen.
00:53:55: also Da muss man sich einfach viel mit beschäftigen.
00:53:58: Was heißt es eigentlich, trinken zu wollen?
00:53:59: Weil in der Sucht ist ja nicht unbedingt das wir trinken wollen sondern wir müssen und dieses Müssen und Wollen liegt da manchmal so eng beieinander dass wir selbst gar nicht so richtig identifizieren können.
00:54:12: Wie ging's denn dir dann mit der Entscheidung aufzuhören?
00:54:19: Ging das ganz leicht oder hattest du dann Struggle in der ersten Zeit oder ging mir das locker von der Hand?
00:54:26: Also für mich, wie gesagt vorher schon war das kein Problem.
00:54:30: Ich habe definitiv immer schon ein Alkoholproblem gehabt aber ich war in der Sucht des Alkuhols sondern eher so in der suchtes Fließ muss man poetisch auszudrücken.
00:54:43: Du fragst dich, wie man ohne Alkohol glücklich
00:54:46: sein kann?
00:54:47: Du suchst Austausch und Unterstützung auf deinem Weg in die Nüchternheit.
00:54:51: Dann ist das Sauberatstudio.
00:54:52: was für Dich!
00:54:53: Das Sauberatsstudio ist eine wöchentliche Life-Klasse – eine Zoom-Session Und ein kleiner Gruppe.
00:54:59: arbeiten wir genau an diesen Themen.
00:55:01: Wie gehe ich mit Emotionen um?
00:55:03: Wie kann Ich mir ein zufriedenes nüchternes Leben aufbauen?
00:55:10: Klingt gut, du findest eine Übersicht der Inhalt auf meiner Website soberart.at.
00:55:16: Ich packe dir den Link in die Show Notes und jetzt wünsche ich dir noch weiterhin ganz viel Spaß mit dieser Folge!
00:55:24: Aber ich merke halt so nüchtern allein werden reicht halt auch nicht.
00:55:32: Mein Weg war dann in den ersten sechs Monaten zu sagen so... und ich beweist euch jetzt, dass ich nüchtern so cool sein kann wie ich auch nicht nüichtern sein kann.
00:55:43: Und das heißt... Ich bin dann so viel wie ich nur konnte ausgegangen.
00:55:49: Auf allen Shows!
00:55:50: Und auf allen Veranstaltungen und auf allen Partys war ich gar nicht mehr so viel, aber es waren mir so Shows.
00:55:56: Aber abends immer unterwegs und abends wieder mir beweisen und anderem beweisen, ich kann bis drei Uhr morgens nüchlern aus dem Alter ein Kehr ...bis ich dann gemerkt habe, so okay, ich fühle mich sehr allein in dieser ganzen Sache.
00:56:09: Weil... ...ich ja die ganze Zeitung geben war von Alkohol und ich war sogar auf Sex-Partys nüchtern wo alle anderen konsumiert
00:56:15: haben.".
00:56:16: Wie war das?
00:56:17: Ja!
00:56:17: Ich hab mir bewiesen dass ich es konnte und für mich war's also... ...Ich bin da nach Hause gegangen, dachte mir so um ihm hätte nicht sein müssen aber irgendwie ein Teil von mir hat das ja wohl gebraucht.
00:56:27: Also... ...dass ich dann teilweise, also ich glaub einmal weil ich bis sieben oder neun Uhr morgens oder so war ich bei der... bei einer Sexparty.
00:56:38: Aber wie war die sexuelle Erfahrung dort, in dem Rahmen nüchtern?
00:56:41: Muss ja völlig anders gewesen sein.
00:56:43: Kiez so!
00:56:44: Also ich mein das einzige war dass ich halt jetzt nicht so... also ich war schon geil aber ich weiß nicht so.
00:56:53: ah ich bin hi-geil.
00:56:58: Aber ansonsten hatte ich eine nette Unterhaltung mit denen Und hatte einfach nur das Gefühl, okay ich gehe irgendwann bald nach Hause und dann werde ich mich wahrscheinlich wieder einsam fühlen.
00:57:09: Wenn ich von Flucht spreche, ist es bei mir persönlich die Flucht aus der Einsamkeit.
00:57:15: Flucht vor mir selbst ist dass ich mit mir selber ja auch einsamm bin so und dass mein ganzes Leben wie ich mir das aufgebaut habe in meinem kleinen Teenager Kopf ja darauf aus ist dass mir von außen jemand sagen muss, dass ich nicht einsam bin.
00:57:34: Und das...dass ich okay so bin wie ich bin und den ganzen Kram.
00:57:39: Das heißt solange ich das bekomme, na ist da..das is die Sucht!
00:57:44: So.
00:57:45: Und wenn ich das bekommen also mit welcher Substanz?
00:57:48: Mit welchen Menschen es am Ende irgendwie vollkommen wurscht.
00:57:52: So und manchmal ist es halt Essen und manchmal sind es Serien und dann gucken wir diese Serie für zehn Stunden, weil man sich darin schön fliehen kann, dass man nicht einsam ist.
00:58:02: Ich
00:58:02: finde das ist nämlich genau... also du bist da so richtig im Kern drin!
00:58:08: Weil ich find' das ist aber das größte Geschenk der Nüchternheit, dass wir überhaupt dahinkommen.
00:58:14: Also dass wir so diesen ganzen Schleier mal weg tun und dann vielleicht unser Verhalten so weiterläuft die große Chance haben zu erkennen, okay was liegt denn da eigentlich wirklich in mir welche Gefühle?
00:58:28: Die ich vorher so diffus war und vielleicht oder gar nicht so richtig erreichbar.
00:58:35: Und dann können wir anfangen daran zu arbeiten und auch wirklich zu heilen und Dinge für uns zu erkennen und auch halt neue Gewohnheiten oder Verhaltensweisen zu tabieren und den Druck rauszunehmen.
00:58:50: und all das ist ja auch ganz individuell.
00:58:52: jeder hat ja seine individuelle Geschichte.
00:58:56: Für dich ist es dann vielleicht insbesondere der Druck, weiß ich nicht, gefallen zu wollen oder sich ganz viel mit Menschen zu umgeben sondern auch gut für dich sein zu können oder dich selbst zu lieben eigentlich geht's ja immer darum oder sich selbst einfach so lieben ganz unabhängig vom Umfeld.
00:59:19: Ja, ich würde vor allem dem der Vorstein ist erstmal immer Selbstakzeptanz.
00:59:23: So früher haben wir ganz viel über Selbstliebe gesprochen wo wir noch das ganze Thema noch nicht so oft bearbeitet wurde.
00:59:31: da ging es immer viel um Selbstlieber und ich habe mir immer gedacht auch dann als ich am Anfang in Therapie war wie kann man von selbst hast zu selbst Liebe so springen dazwischen irgendwie so Steps sein und diese Steps wurden aber nie bearbeitet.
00:59:46: Und du hast dann immer Leute gesehen, die waren halt so okay ich habe mich selbst gehasst und jetzt liebe ich mich selber, tada!
00:59:52: Die sind Prozesse nie mitbekommen und deswegen spreche ich immer offen über meinen Prozess weil ich mir denke es ist alles nicht gardlinig.
01:00:05: Ich glaube, es hat eben auch viel erst mal von Selbsthast auf.
01:00:10: ich sehe mich selbst und ich sehe alle Parts.
01:00:13: Und dann von dem Part zu Selbstakzeptanz zu sagen so okay, ich schäbe mich nicht dafür und das ist okay und alles hat irgendwo seine Begründung.
01:00:25: Dann kommt es auch zu einer Selbstvergebung dass man sich selber... für all die Sachen.
01:00:30: Und dann kommt irgendwann erst die Selbstliebe und ob ich die jemals erreiche, kann ich dir nicht sagen?
01:00:35: Also das ist bei mir mal so eine Fluktuation.
01:00:40: Und versuche aber auch selber als Ziel gar nichts zu haben.
01:00:43: Weil ihr das zum Beispiel persönlich zu viel Druck gemacht hat immer wieder dieses Du musst dich selbst ihm, du musst sich selbst ihm... Nein!
01:00:53: I don't know how to.
01:00:54: erstmal so Irgendwie bin ich ganz... Also, ich fühle mich sehr wohl in meiner Selbstakzeptanz.
01:01:00: Und das bedeutet, dass wenn ich irgendwas mache und nicht happy damit bin, dann hasse ich mich auch nicht mehr dafür.
01:01:07: Sondern überdehme ich Verantwortung?
01:01:10: Dann habe ich es gemacht!
01:01:11: Das ist super schön!
01:01:14: Wie ging's denn
01:01:14: weiter?!
01:01:16: Ja, und wie es dann weitergingen, das erfährst du nächste Woche Donnerstag mit Part zwei aus dem Gespräch hier mit Fladi Und ich wünsch dir jetzt eine wundervolle Woche.
01:01:27: Fühl dich im Abend, deine Dinder von Sauber Art!
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