#72: Über Flow, Erschöpfung und kreative Arbeit

Shownotes

Du arbeitest kreativ? Dann kennst du sicher dieses Gefühl: Phasen voller Ideen, Inspiration und Schaffenskraft wechseln sich mit Zeiten ab, in denen scheinbar nichts mehr geht. Die Kreativität versiegt, Projekte bleiben liegen und Zweifel werden laut. Doch wie entstehen kreative Prozesse eigentlich? Und warum geraten sie manchmal ins Stocken? In dieser Podcastfolge spreche ich über Kreativität und Blockaden, Flow-Zustände und die Rolle von Stress für kreatives Arbeiten. Du erfährst, warum Kreativität nicht einfach nur aus spontanen Geistesblitzen besteht, sondern aus einem komplexen Zusammenspiel von freier Assoziation, Vorstellungskraft, Struktur und Kontrolle. Außerdem geht es um die Frage, welche Auswirkungen Alkohol auf kreative Prozesse haben kann. Hilft Alkohol wirklich dabei, kreativer zu sein, oder erschwert er langfristig den Zugang zu Flow, Konzentration und künstlerischer Entwicklung?

Diese Folge richtet sich an Künstler:innen, Musiker:innen, Schreibende, Kreative und alle Menschen, die sich für Kreativität, Psychologie, Neurowissenschaft, mentale Gesundheit und ein nüchternes Leben interessieren.

Schlagwörter: Kreativität, kreative Blockade, Flow, Flow-Zustand, Kreativität Gehirn, Default Mode Network, Alkohol und Kreativität, Nüchternheit, Psychologie, Neurowissenschaft, Künstler, kreative Prozesse, Stress und Kreativität, mentale Gesundheit, kreative Erschöpfung

Anmeldung sober art STUDIO

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00:00:01: Du fragst dich, wie zu Hölle man ohne Alkohol glücklich sein kann?

00:00:04: Dann ist das Sauberatstudio was für dich.

00:00:06: Das Sauberadstudio ist eine wöchentliche Live-Session, eine Zoom Session immer Sonntagsabend von zwanzig bis einundzwanzig Uhr und in kleiner Gruppe arbeiten wir genau an diesen Themen!

00:00:16: Wie gehe ich mit Emotionen um?

00:00:18: Wie kann ich ausgelassen sein und Fan haben ohne

00:00:20: Alkohole?!

00:00:21: Wie verhalte ich mich in sozialen Situationen?

00:00:24: Wie gehe Ich mit Ängsten um?

00:00:25: Und und und du findest eine Übersicht der Inhalte auf meiner Website hier in die Show Notes.

00:00:31: Es ist pay as you wish, also nichts zu verlieren!

00:00:35: Ich freue mich auf dich im Sauberat Studio und jetzt wünsche ich dir ganz viel Spaß mit dieser Folge.

00:00:43: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sober Art.

00:00:47: Mein Name ist Linda Fress, und dieser Podcast soll dich zur Mehrfreiheit in deiner Beziehung zum Alkohol inspirieren!

00:00:53: Hier geht es um Selbstwirksamkeit, Kreativität und die Rolle von Alkohl im persönlichen und gesellschaftlichen Kontext.

00:01:01: Und heute soll's mal wieder um Kreatativität gehen – das kommt ja wirklich manchmal zu kurz….

00:01:06: Ich glaub nämlich dass wahnsinnig viele kreative Menschen Phasenweise voller Ideen, Energie und Schaffungskraft sind.

00:01:15: Und sich dann plötzlich wieder blockiert erschöpft oder so innerlich abgeschnitten fühlen.

00:01:21: Nicht richtig in den Flow kommen!

00:01:23: Das ist zumindest das was ich wenn mich mit anderen Künstlern austausche oder an einem Selbstständigen immer wieder auch mal Thema ist, dieses Up and Down.

00:01:34: Es ist nicht immer so easy damit klar zu kommen.

00:01:38: Aber wie entstehen kreative Prozesse überhaupt?

00:01:42: In der Kreativitätsforschung wird seit einigen Jahren besonders intensiv das sogenannte Default Mode Network untersucht.

00:01:50: Also, dass ist so ein großflächiges Netzwerk im Gehirn, das vor allem dann aktiv ist wenn wir nicht fokussiert sind auf eine bestimmte äußere Aufgabe sondern innerlich so assoziieren rum fantasieren erinnern simulieren oder einfach gedanklich abschweifen.

00:02:08: Also das entspricht eigentlich dem Klischee des kreativen Menschen, diese Verträumtheit und Chaotik.

00:02:15: Aber für kreative Prozesse ist nicht nur das total wichtig sondern auch ein Zusammenspiel unterschiedlichster neuronaler Netzwerke so auch Bereiche des Gehirns die für Bewertung Planung Strukturierung auch ganz wichtig und generell für Kontrolle zuständig sind.

00:02:35: Also, da passiert wahnsinnig viel und kommt ganz wahnsinnigt viel zusammen wenn wir kreativ sind.

00:02:41: und das ist recht spannend weil das widerspricht natürlich dem Bild was so die Allgemeinheit von kreativen Menschen hat dass wir permanent impulsiv und völlig freien Flow unterwegs sind.

00:02:55: Die Forschung zeigt eher das kreative Prozesse ein dynamisches Wechselspiel zwischen freier Assoziation strukturierender Kontrolle, also zwischen meinetwegen inneren Chaos und Ordnung sind.

00:03:13: Menschen die besonders kreativ denken scheinen neurologisch nicht nur stärker zu imaginieren als sich Dinge vorstellen zu können sondern gleichzeitig auch besser darin so sein diese spontan Gedanken zu beobachten sie gezielt auszuwählen und dann weiter zu entwickeln ständig an etwas herumzudenken.

00:03:35: Das ist natürlich nicht nur schön, das ist auch sehr schön aber mitunter auch extrem anstrengend insbesondere wenn man so viele Baustellen gleichzeitig offen hat und vielleicht auch in so vielen unterschiedlichen Bereichen gleichzeitig tätig ist.

00:03:51: Und es ist kein Wunder dass das eben auch zu Übermüdung und Überforderungen führen kann und wir uns dann wiederfinden und fragen hey wo ist eigentlich all meine kreative Kraft plötzlich hin.

00:04:04: Und das ist dann nicht auf eine Faulheit zurückzuführen, also wenn wir da in so ein Loch fallen sondern auf eine Dysregulation des gesamten Nervensystems weil es einfach zu viel wird.

00:04:15: und Stress kann zwar kurzfristig sehr anregend wirken laugt aber dauerhaft aus und erschwert kreative Prozesse total, weil wir eben dann dieses so freie Assoziieren also das was ich vorhin angesprochen habe.

00:04:31: Das total verlieren, dass sie dies rum fantasieren erinnern und locker herumdenken und diesen Spaß und diese Freude plötzlich verlieren die ja auch extrem wichtig ist für kreativen Prozessen eine Entspannung.

00:04:46: Unser Gehirn prioritisiert Sicherheit und Vorhersagbarkeit statt spielerischer Offenheit, sag ich mal.

00:04:53: Weil evolutionär macht das natürlich auch total Sinn, denn das Gehirne, das Glaubt ist ständig eine Gefahr kommt und dass es abgewert werden müsse und investiert dann eben weniger Ressourcen in so komplexe imaginative Prozesse.

00:05:10: Das heißt wenn wir irgendwie stressausgesetzt sind, dann schaltet unser Gehirnen ein bisschen runter und ist eben auf dieser Stresssituation konzentriert, weil es ja quasi eine Gefahr ist.

00:05:22: Und unser Gehirn hat noch ein bisschen alt.

00:05:26: Das war halt früher einfach lebensbedrohlich – wir kennen das alle eh!

00:05:30: Ich finde diesen Punkt aber deshalb wichtig, weil kreative Blockaden von vielen so abgewertet werden und dann in Gedanken entstehen.

00:05:41: Diszipliniert genug, ich bin so faul.

00:05:44: Ich bin nicht talentiert genug.

00:05:45: Früher war ich irgendwie kreativer und dabei kann es einfach nur sein dass du chronisch überlastet bist.

00:05:55: Wir wollen in den Flowzustand und dem kennen ja viele.

00:05:57: also flow für die die's nicht kennen das beschreibt ein Zustand tiefer Konzentration und gleichzeitig subjektiver Müllosigkeit Also indem du vollständig in deiner Tätigkeit aufgehst und die Zeit total vergisst.

00:06:11: super cool Genau da wollen wir hin.

00:06:15: Und für diesen Flow-Zustand, ja, da braucht es unterschiedliche Bereiche des Gehirns die besonders effizient zusammenkommen und das sind so Dinge wie Vorstellungskraft oder Kontrolle eben auch.

00:06:27: also das hatten wir schon zu Beginn.

00:06:29: Und Flow scheint also kein Kontrollverlust zu sein was ja auch manche denken ich verliere mich in der Sache und bin sofort da sondern eher ein hoch regulierter Zustand optimaler neuronaler Kooperation.

00:06:43: Aber was tun, wenn dieser Flow einfach nicht mehr kommen will?

00:06:45: oder nur schwer?

00:06:46: Oder zu seiten.

00:06:48: Und ja da greift halt manche einer als Alkohol und anderen Drogen um diese erste Hürde zu überwinden.

00:06:53: Denn kreative Auseinandersetzung ist anstrengend Da passiert wahnsinnig viel in uns und das haben wir jetzt auch schon gehört.

00:07:00: Und das bisschen fiese daran ist, dass Alkohol und andere Drogen natürlich auch helfen diese erste Hürde zu überwenden.

00:07:05: Und überhaupt mal anzufangen ein Startpunkt zu finden reinzukommen die innere Kritikerin den inneren Kritiker ein bisschen stumm zu schalten und ins Tun zu kommen Das ist ja oft auch der schwierigste.

00:07:19: Ich bin dennoch der tiefsten Überzeugung Dass uns Alkohl und andere Drogen absolut aber für kreative Prozesse Schaden So wie bei allen anderen Dingen auch.

00:07:31: Denn wir machen uns halt superabhängig davon, also von diesem Mittel das uns den Einstieg erleichtert.

00:07:38: Es wäre erstens viel nachhaltiger daran zu trainieren da einfach so reinzukommen plus zweitens Wir sind dann im Prozess der Arbeit, der kreativen Arbeit ja viel präsenter wenn nicht unter Alkoholenfluss stehen.

00:07:59: Wir kappen ja total die Verbindung zu dem, wo die Kreativität heraus kommt und zwar wir selbst, denn wir sind ja die, die erschaffen und ich möchte das ja nicht manipulieren sondern ich möchte zumindest meine Meinung so nah wie möglich an mir selbst sein.

00:08:21: Der kreative Weg ist ein Weg zu mir selbst.

00:08:25: Und ich fühle mich manchmal sehr entrückt von mir selbst auch komplett nüchtern hat, auch manchmal damit zu tun irgendwie wirklich gut bei mir zu sein und das liebe ich an meiner Nüchterheit.

00:08:37: und wenn ich kreativ arbeite und dass irgendwie gut funktioniert und ich in diesem Flow komme da bin nicht so eins mit mir selbst.

00:08:47: Das ist so wunderschön.

00:08:49: Das Alkohol wird das ja komplett zerstören.

00:08:53: Plus, das Ergebnis ist ja nicht besser im Gegenteil.

00:08:57: Es ist oft schlechter und es fühlt sich nur in dem Moment besser an.

00:09:02: Also was heißt, es fühlte sich in dem moment besser an?

00:09:04: Ist das, was wir inhaltlich da produzieren, führt sich in den Moment total großartig an.

00:09:10: aber ganz oft blicken wir dann einen nächsten Tag oder übernächsten Tag drauf.

00:09:16: Also hätte ich jetzt nichts an besser hinbekommen.

00:09:19: Das ist ja meistens so, finde ich also absolut hundert Prozent!

00:09:26: Ich persönlich bin der Meinung dass wir uns eben durch den Alkohol wahnsinnig viel Lernmöglichkeiten nehmen und das wir unsere Kleine machen als sie eigentlich sind.

00:09:35: und es wäre eigentlich wunderschön wenn wir lernen anfangen mit Dingen anzufangen und irgendwie kurz organisieren Zugang zu bekommen, zu unserer Kreativität.

00:09:50: Es durch schwere Phasen schaffen nicht so streng mit uns sein, liebevoll mit uns redeninnerlich.

00:09:57: All diese Dinge, wo man sagt okay hey ist es mir irgendwie gerade einfach zu viel und deswegen mache ich jetzt mal ein Break oder ich brauche dieses oder jenes.

00:10:06: Oder ich produziere mal auch wenn's vielleicht Müll ist und damit komme ich mal zurecht weil daraus entsteht etwas.

00:10:14: Einfach eine Methode zu entdecken die sich gut anfühlt und wie produktiv ist und vielleicht auch neue Wege kennenzulernen also tausend Sachen.

00:10:22: da könnte ich jetzt eine eigene Folge drüber machen.

00:10:24: all das nehmen wir uns wenn wir immer zu Alkohol greifen.

00:10:28: Damit machen wir uns halt total abhängig im wahrsten Sinne des Wortes und wir verschlechtern auch die Qualität, finde ich!

00:10:37: Und wie gesagt, wir nehmen uns wahnsinnig viel Lernmöglichkeiten – und das gilt auch für andere Bereiche des Lebens.

00:10:44: Je öfter wir zu Alkohol greifen Um so schwieriger wird es beim nächsten Mal darauf zu verzichten, weil wir uns das halt so beigebracht haben dass wir nur damit funktionieren und dass es damit sozusagen einfacher würde.

00:10:58: Und by the way, Alkohol reduziert die Signalebertragung im Gehirn und das bedeutet dass wir halt eben überhaupt eigentlich gar nicht so sensibel und aufnahmefähig sind.

00:11:07: Dabei geht es ja in der Kreativität genau um das zum sensible wie möglich zu sein oder für alle Optionen und alle Entscheidungen, die wir innerhalb des kreativen Prozesses treffen.

00:11:26: Plus was wir auch nicht vergessen dürfen ist, dass wir nach einem Alkohlkonsum am nächsten Tag hier gar nicht erholt sind sondern eigentlich wieder müde und unser Körper ist noch mehr gestresst als vorher.

00:11:39: Und wir wollen aber erholt sein, in die Entspannung kommen weil das fördert die Kreativität wiederum.

00:11:47: Weil in solchen entspannten Situationen unseren Nervensystem voruntergefahren ist.

00:11:51: da kommen ja oft die besten Einfälle.

00:11:53: also so beim Spazierengehen, beim Duschen, beim Zugfahren putzen vielleicht, zu kurz vorm Einschlafen.

00:12:01: Diese Momente, vielleicht kennst du das?

00:12:04: All das nehmen wir uns ja dann auch noch.

00:12:08: zudem, weil auch selbst wenn du dich nicht gestresst fühlst dein Körper ist gestreszt durch den Alkohol, weil es ein Gift ist und er ist damit beschäftigt dieses Gift aus dem Körper zu befördern.

00:12:22: Wie gesagt, der Schlaf ist verschlechtert und dann Körper kann sich einfach nicht so regenerieren und nicht erholen wie er es eigentlich möchte.

00:12:33: Kreativität ist sowohl freie Assoziation als auch strukturierender Prozess.

00:12:42: Es ist quasi Offenheit und Begrenzung.

00:12:44: Chaos allein produziert noch keine Kunst, erst die Fähigkeit Ideen auszuhalten sie zu formeln auch wieder zu verwerfen weiterzuentwickeln und auch organisatorisch dran zu bleiben.

00:12:58: das macht aus inneren Bildern dann tatsächlich etwas reales.

00:13:02: Und du kannst für dich ja mal schauen ob Alkohol dich in diesen Dingen unterstützt oder dir ein Bein stellt.

00:13:09: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:13:12: Wünsch dir eine wundervolle Woche, wir hören uns hier nächste Woche Donnerstag wieder.

00:13:17: Mit einer neuen Folge.

00:13:18: bis dahin fühle dich im Abend deine Linder von SoberArt!

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